Cloud ist ganz anders, als Sie denken

19. April 2012Eberhard Wolff

Cloud ist in aller Munde. Wenn ich mit Kunden spreche, stoße ich immer wieder auf dieselben Vorurteile, zum Beispiel auf dieses: Mit Cloud müsse man seine Daten und Programme externen Dienstleistern anvertrauen. Das stimmt lediglich, wenn man Public-Cloud-Anbieter nutzt. Diese sind aber auch wirklich nur externe Dienstleister – und das Outsouring an solche Dienstleister ist ja schon lange gang und gäbe. Der wesentliche Punkt ist aber: Es ist recht einfach möglich, im eigenen Rechenzentrum eine Private-Cloud-Infrastruktur aufzubauen. Mittlerweile gibt es eine große Anzahl von Lösungen dafür – unter anderem auch im Open-Source-Bereich.

Ein weiteres Vorurteil: Cloud dient nur zur Kostenreduktion. Cloud-Lösungen sind oft tatsächlich billiger, weil die Anbieter im Public-Cloud-Bereich sehr effiziente Infrastrukturen haben und nur die jeweils gerade genutzten Ressourcen bezahlt werden. Kostenreduktion ist nichts Neues – der Betrieb in den meisten Unternehmen wird schon immer auf Kosteneffizienz optimiert. Cloud ist aber mehr als nur eine weitere Optimierung. Der wirkliche Wert von Cloud entsteht durch Self Service. Statt eines komplexen und langwierigen Beschaffungsprozesses werden neue Server durch ein Portal bestellt und stehen innerhalb von Minuten oder gar Sekunden zur Verfügung – durch einen vollständig automatisierten Prozess ohne manuelle Eingriffe. So können Server und ganze Infrastrukturen viel schneller aufgebaut werden.

Wenn Software automatisiert in Produktion gebracht werden soll, ist eine solche Technologie unerlässlich. Vorgehen nach Continuous Delivery streben nämlich eine noch höhere Automatisierung an: Nicht nur die Server selbst, sondern die gesamte Software wird automatisch auf den Servern installiert. Durch die vollständige Automatisierung wird die Produktivstellung von Software-Systemen reproduzierbar und so auch weniger fehleranfällig. Wer schon mal bei einer Produktionseinführung an einem Wochenende dabei war, weiß, wie wichtig absolut zuverlässige Verfahren für die Produktivstellung sind und wie viele Fehler in solchen Stresssituationen passieren können. Es gibt noch mehr Vorteile: Gerade Startups nutzen Continuous Delivery auch, um mehrmals pro Tag neue Releases in Produktion zu bringen und so ein viel besseres Time-to-Market zu realisieren.

Klassische Herausforderungen der IT werden durch Cloud ebenfalls anders gelöst: Die Cloud kann neue Rechner sehr einfach zur Verfügung stellen. Daher wird Skalierbarkeit gelöst, indem mehr Server genutzt werden. Klassisch würde man zu einem leistungsfähigeren Server greifen.  Aber jeder Rechner muss bezahlt werden, wenn er genutzt wird. Gerade nicht benötigte Server werden daher abgeschaltet. Dabei können auch sehr viele Server zur Verfügung gestellt werden, was für die Analyse von Big Data notwendig ist. Und durch moderne Architekturen kann man auf dieser Basis sehr hochverfügbare Systeme kostengünstig realisieren – wie Amazon, Google und Facebook uns das vormachen.

Cloud ist also weit mehr als eine öffentliche Computing Plattform – vielmehr werden Ressourcen viel schneller und einfacher nutzbar. Dadurch können Anwendungen und Infrastrukturen flexibler bereitgestellt werden – ein wichtiger Enabler für Continuous Delivery, BigData und neue Ansätze für Hochverfügbarkeit. Also kann man mit Cloud wesentlich mehr, als nur Kosten sparen. Und das auch im eigenen Rechenzentrum, ganz ohne Public Cloud.

Eberhard Wolff Eberhard Wolff ist Architecture & Technology Manager bei adesso.
Artikel bewerten:
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...

Kommentare

Andreea Tomoiaga 5. Mai 2012 Website des Autors

Interessanter Artikel über die Cloud und ihre Vorteile. Ich würde auch anfügen, dass auch wenn es um eine interne Cloud-Lösung geht, die Kosten die mit der Migration der vorhandenen Daten verbunden sind, sollen betrachtet werden. Einige Gedanken in dieser Richtung können in diesem Artikel gelesen werden (https://sites.google.com/site/agilepmcloud2012/it-service-management-in-der-cloud/04pub-09-transitioning-to-the-cloud-doc). Backup, Disaster Recovery und Sicherheit sind auch wichtige Themen für ein erfolgreiches Management der Infrastruktur.

Eberhard Wolff 7. Mai 2012

Vielen Dank für das Feedback! Ein wesentlicher Vorteil einer Private Cloud ist ja gerade, dass die Daten eben nicht unbedingt migriert werden müssen, sondern eine Nutzung vorhandener Infrastrukturen und System weiter möglich ist. Themen wie Backup, Disaster Recovery und Sicherheit müssen ebenfalls bei klassischer Infrastruktur betrachtet werden – nicht nur bei Cloud. Auch hier hat vor allem die Private Cloud kaum Unterschiede zu klassischer Infrastruktur. Übrigens können gerade bei Backup und Disaster Recovery Public Cloud Infrastrukturen interessant sein, da sie große Mengen an Ressourcen im Bedarfsfall bereitstellen können, aber keien Grundkosten anfallen. Bei Backup ist dann noch die hohe Redundanz und damit Sicherheit der Daten in der Public Cloud zu erwähnen.

Andreea Tomoiaga 19. Mai 2012

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Weil die Public Cloud hier erwähnt wird, würde ich auch sagen dass sie eine wichtige Rolle in der Skalierbarkeit spielt wenn z.B. eine Spitzenbelastung auf die Systeme auftaucht.

Wenn Virtualisierung verwendet wird, kann es sein dass die Migration von Daten eine Rolle spielt während des Backups weil die Daten nicht unbedingt im OVF-Format gespeichert sind. Wenn die Daten zwischen den beiden Typen von Cloud übertragen werden und das Format der Daten nicht auf alle Cloud Plattformen portierbar ist dann wird Migration notwendig.

Wenn der Public Cloud Anbieter zahlungunfähig wird, dann wäre es zu empfehlen, dass das Unternehmen das die private Cloud besitzt, einen Plan B für einen möglichen zweiten Public Cloud Anbieter hat. Wenn das Format das in den beiden Public Clouds verwendet wird nicht dasselbe ist, dann kommt die Migration der Daten wieder ins Spiel.

Kommentar hinzufügen:

Ihr Kommentar: