Business Critical SharePoint

Die Integration geschäftskritischer Anwendungen auf einer Business-Plattform optimiert die Zusammenarbeit im Unternehmen

18. Oktober 2012Marcus Peters

Die typischen Intranets der 1990er Jahre haben ausgedient. Statt unidirektionaler Kommunikation soll das moderne Intranet im Kontext von Enterprise 2.0 die menschliche Kommunikation, Interaktion und Zusammenarbeit unterstützen. Technologisch betrachtet, handelt es sich bei Systemen für Enterprise 2.0 um diejenigen Plattformen, die Unterstützungsdienste für Wissensarbeiter bieten.

Angelehnt an das aus der Mensch-Computer-Interaktion (MCI) stammende Akronym für Fenster-basierte Interaktion mit dem Computer WIMP (Window, Icon, Menu, Pointing device) definierte McAfee 2006 das Akronym SLATES (Search, Links, Authoring, Tags, Extensions, Signals), um die seiner Meinung nach wichtigsten Technologien für die Identifikation einer Enterprise-2.0-Plattform zusammenzufassen. Hierbei geht es vor allem darum, dem Wissensarbeiter ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem er einerseits leichtgewichtig neues Wissen einpflegen und andererseits vorhandenes Wissen als Basis für weitere Interaktion über reichhaltige Recherchefunktionen erschließen kann.

Siloed Information in LOB-Systems

Aber der Wissensarbeiter kann seine Arbeit nur dann wirklich erfolgreich erledigen, wenn ihm alle nötigen Informationen möglichst ohne Medienbruch und kontextbezogen zur Verfügung stehen. Es ist notwendig, dass Dokumente nicht nur gemeinsam bearbeitet werden können, sondern vielmehr durch Daten aus diversen „Line-of-Business-Applikationen“ (LOB) einen echten Business-Kontext bekommen. Für die Erstellung eines Angebots sind zum Beispiel Informationen zum Kunden aus dem CRM-System sowie die Inhalte aus der Produktdatenbank nötig. Häufig werden nun die Applikationen für die betreffenden Systeme gestartet, die Daten gesucht und anschließend in das Angebotsdokument kopiert.

Unternehmensdaten stecken in diversen Spezialsystemen ohne gemeinsame Integration

Unternehmensdaten stecken in diversen Spezialsystemen ohne gemeinsame Integration

Noch schwieriger wird es, wenn der Autor keinen Zugriff auf das CRM-System hat. Vielleicht kennt er den Kunden, jedoch nicht den Ansprechpartner für das Angebot. An diesem Beispiel wird deutlich, dass für eine tiefe Unterstützung der Prozesse die Daten aus den LOB-Systemen wichtig sind, um ein modernes Intranet zu einem echten Werkzeug zu veredeln.

Basiert der Angebotsprozess auf Microsoft Office & SharePoint, so können Zugriffe auf derartige Informationen in der Angebotsvorlage vorbereitet und während der Bearbeitung leichtgewichtig übernommen werden, wenn die entsprechenden Systeme über Standardschnittstellen für SharePoint verfügbar sind.

Positionierung von SharePoint

Obwohl das oben beschriebene Szenario des Zugriffs auf LOB-Systeme mit der aktuellen Version von SharePoint realisiert werden kann, ist die Plattform eher als Kollaborationsplattform bekannt. In der kommenden Version wird über ein neues Modell der Bereitstellung von Anwendungen über SharePoint-Apps der Zugriff auf LOB-Systeme weiter vorangetrieben. Mit der Version 2013 positioniert Microsoft SharePoint als eine Plattform, die dem Benutzer neben dem typischen SharePoint-Fokus „Portals & Collaboration“ ein unternehmensweites Applikations-Portal mit umfassenden Werkzeugen für seine Arbeit bereitstellt.

Um jedoch die Vorteile von SharePoint als Unternehmensportal optimal zu nutzen, muss die Organisation für den Einsatz vorbereitet sein. Häufig durchlaufen Unternehmen die folgenden Szenarien mehr oder weniger stark. Es gilt, mit einer unternehmensspezifischen Informationsarchitektur die Benutzer im Rahmen ihrer Versiertheit mit den neuen Medien „abzuholen“. Bei einem geplanten Vorgehen erreicht das Unternehmen so verschiedene Stufen von Reifegraden bis zur durchgängigen Unterstützung der Arbeitsprozesse durch die IT:

  • Zunächst wird SharePoint als „Proof of Concept“ ausprobiert
  • Dann wird SharePoint durch die Nutzung der Kollaborationsmöglichketen im Rahmen von Team-Sites und die Abbildung von Organisationsstrukturen im Intranetkontext eingeführt.
  • Die Kollaborationsanforderungen steigen. MySites, Blogs, Wikis, Foren und Unfied-Communication werden für das Unternehmen sinnvoll.
  • In einer weiteren Stufe werden meist erste kleine, auf SharePoint basierende, Anwendungen umgesetzt und einfache Workflows implementiert.
  • Nach Durchlauf der genannten Stufen sind die Mitarbeiter der Organisation an den Umgang mit SharePoint gewöhnt und es herrscht breites Vertrauen in die Plattform. Durch diese Akzeptanz können nun Unterstützungsprozesse aus den Fachabteilungen über SharePoint bereitgestellt werden. Dies wird durch die Erstellung spezifischer geschäftskritischer Anwendungen als Individuallösung und/oder die oben angesprochene Veredelung der Unterstützung durch Kontextinformationen und Daten aus LOB-Systemen sinnvoll und hilfreich realisiert.
Zugriff auf LOB-Systeme mit SharePoint

Zugriff auf LOB-Systeme mit SharePoint

Das Business Critical SharePoint-Programm

Im August 2012 hat Microsoft das Business Critical SharePoint-Programm gestartet. In diesem Programm sind weltweit rund 80 Partnerunternehmen vertreten, die in einem Auswahlverfahren ihre Kompetenzen im Umgang mit SharePoint als geschäftskritische Plattform darstellen mussten. Über die Teilnahme an diesem Programm sind die Partner in der Lage, ihre Technologiekompetenz in direkter Zusammenarbeit mit Microsoft auszubauen. Für die Auftraggeber stellt die Aufnahme in das Programm ein weiteres Qualitätssiegel für die Auswahl eines geeigneten Partners dar.

adesso ist Business Critical SharePoint Partner und kann für SharePoint wertvolle Unterstützung in folgenden Bereichen bieten:

  • Integration von Daten aus Microsoft Dynamics CRM
  • Anreicherung und Zugriff auf Daten aus SAP-Systemen
  • Entwicklung von individuellen Applikationen mit geschäftskritischem Charakter auf der Basis von SharePoint

Wie setzen Sie SharePoint heute ein? Haben Sie Fragen zu Business Critical SharePoint oder haben Sie bereits Erfahrungen damit gemacht? Ich freue mich auf Ihre Fragen und Meinungen.

Marcus Peters Marcus Peters kennt .NET seit der ersten Stunde und ist bekennender SharePoint-Fan. Er verantwortet in einem Competence Center bei adesso die Umsetzung von Business-Applikationen auf der SharePoint-Plattform. Sie erreichen ihn unter marcus.peters@adesso.de.
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Kommentare

Mara 6. Februar 2014 Website des Autors

Vielen Dank für den ausführlichen Artikel. Mittlerweile ist es ja endlich in einigen Unternehmen zum Umschwung gekommen und die neuen Konzepte von Enterprise 2.0 werden auch nach und nach in die Realität umgesetzt. Dabei bin ich aber immer noch nicht überzeugt von der Art, wie der Anspruch an Interaktivität in der Realität umgesetzt wird. Die meisten Unternehmen begrüßen zwar diesen Ansatz und bekennen sich dazu. Doch in der Realität trifft man oft nach wie vor auf eine einseitige Kommunikationsstruktur, von oben nach unten, so wie man es bereits kennt… Hier ist auf jeden Fall noch Entwicklungspotential.

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