Zeitwertkonten: Die Lebensarbeitszeit individuell gestalten

6. September 2012Stefanie Gorgas

Wer träumt nicht etwa von einer Auszeit, dem langersehnten Trip um die Welt oder genügend Zeit für individuelle Weiterbildung? So mancher denkt vielleicht auch schon an das Leben mit 67+ und wie es sein könnte, früher aus dem Berufsleben zu treten. Diese Wünsche sind nicht leicht realisierbar, wenn man sich in einem normalen Angestelltenverhältnis befindet.

Damit Wünsche nach einer beruflichen Auszeit keine Luftschlösser für unsere Mitarbeiter bleiben, hat adesso 2011 ein Zeitwertkontenmodell eingeführt. Durch Zeitwertkonten werden unsere Mitarbeiter dabei unterstützt, während ihres aktiven Arbeitslebens ihre Lebensarbeitszeit zu planen und zu gestalten. Sie ermöglichen unseren Mitarbeitern bezahlte Freistellungsphasen von der Arbeit (Sabbatical) und dienen als Konzept für den vorzeitigen Ruhestand, jeweils bei gleichzeitig finanzieller Absicherung.

Jeder festangestellte Mitarbeiter1 mit einer mindestens dreijährigen Unternehmenszugehörigkeit kann bei uns nach individueller Beratung ein Zeitwertkonto eröffnen. Bereits nach einer vierjährigen Ansparphase kann eine erste berufliche Auszeit realisiert werden. Die Dauer eines Sabbaticals kann bei adesso zwischen drei und 12 Monaten liegen. Während der aktiven Arbeitsphase ist die Inanspruchnahme mehrerer Sabbaticals mit einem zeitlichen Abstand von mindestens fünf Jahren möglich. Beide Freistellungen erfolgen unter Fortbestand des Beschäftigungs­verhältnisses und schließen sich gegenseitig nicht aus. Mit der Rückkehr aus einem Sabbatical kehrt der Mitarbeiter auf seinen bisherigen Arbeitsplatz zurück.

Die Zeitwertkonten sind Wertkonten, in welche Mitarbeiter Teile ihres Gehaltes einzahlen. Das dort angesparte Geld wird als Wertguthaben bezeichnet. Die Zeitwertkonten sind langfristig ausgerichtete verzinsliche und insolvenzgeschützte Geldkonten. Über die mehrjährige Ansparzeit können die Mitarbeiter Teile ihres Gehalts wie zum Beispiel Entgeltumwandlung aus fixem Gehalt, variable Gehaltsanteile, Urlaubstage, Prämien, Einmalzahlungen und/oder Sonderzahlungen ansparen. Anders als bei der betrieblichen Altersvorsorge müssen bei Zeitwertkonten keine Höchstgrenzen bezüglich der Steuer- und Sozialversicherungspflicht beachtet werden. Die eingezahlten Beiträge werden dem Bruttolohn entnommen.

Das Prinzip des Ansparens von Guthaben auf dem Zeitwertkonto ähnelt dem Ansparen auf einem Sparbuch. Bei einem Sparbuch entscheidet der Sparer wann und in welcher Höhe er ein Guthaben aufbauen möchte. Das Ansparen auf einem Zeitwertkonto folgt diesem Prinzip. Der Unterschied zwischen dem Zeitwertkonto und dem Sparbuch liegt jedoch in der Verwendung des Wertguthabens. Denn durch das Wertguthaben auf dem Zeitwertkonto hat der Mitarbeiter Anspruch auf eine Freistellung von der Arbeit unter Fortzahlung von vorab angesparten Gehaltsbestandteilen.

Der Gesetzgeber unterstützt die Bildung von Wertguthaben, indem die Einzahlungen in das Zeitwertkonto einkommensteuer- und sozialversicherungsfrei sind. Erst bei Entnahme des Wertguthabens erfolgt die Steuer- und Abgabenpflicht. Der Mitarbeiter erhält während der Freistellung weiterhin ein sozialversicherungspflichtiges Entgelt und genießt damit den vollen Schutz in allen Zweigen der Sozialversicherung. Zeitwertkonten sind daher eine flexible Möglichkeit zur Umwandlung von Arbeitsentgelten zur Freistellung unter Berücksichtigung der finanziellen Vorsorge und einer einhergehenden sozialen Absicherung.

Zeitwertkontenmodelle werden aller Voraussicht nach einen immer stärker werdenden Verbreitungsgrad finden. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und dem Kontext Work-Life-Balance sind sie ein zeitgemäßes und zunehmend attraktives Instrument für Mitarbeiter, um in ihrem Arbeitsleben Inseln für eine individuelle Gestaltung von Zeit zu finden.

Da es uns wichtig ist, dass unsere Mitarbeiter auch eine langfristige Perspektive für ihre individuelle Lebensplanung haben, und sich dauerhaft bei uns wohlfühlen, ist das Angebot von Zeitwertkonten ein fester Bestandteil unserer Arbeitgeberleistungen.

Welchen Wunsch würden Sie sich mit einem Sabbatical erfüllen? Oder würden Sie ein Zeitwertkonto eher nutzen, um für einen vorzeitigen Ruhestand anzusparen? Ist es Ihnen wichtig, so eine langfristige Perspektive für die Gestaltung Ihrer Lebensarbeitszeit zu haben? Ich freue mich auf Ihre Meinungen und Fragen zum Thema Zeitwertkonten.

  1. Hinweis: Aufgrund der leichteren Lesbarkeit dieses Beitrags verwendet die Autorin überwiegend die Männlichkeitsform. Angesprochen sind jedoch Frauen und Männer gleichermaßen.
Stefanie Gorgas Stefanie Gorgas ist seit 2005 bei adesso beschäftigt. Als Senior Personalreferentin ist sie unter anderem für die Fach- und Führungskräftebetreuung im Ressort Consulting & Sales sowie für verschiedene Projekttätigkeiten verantwortlich.
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Kommentare

Manuela 4. Februar 2014 Website des Autors

Die Einrichtung eines Zeitwertkontos für ein Sabbatical finde ich persönlich eine super Idee und sollte in allen Unternehmen selbstverständlich sein. Die Möglichkeit, ein Sabbatical zu nehmen und sich zum Beispiel ein Jahr zum Reisen zu gönnen, ist unbezahlbar. Insbesondere der Traum, bestimmte Reisen wie Backpacking durchzuführen, kann bei einem Renteneintritt von 67 Jahren sehr schnell unmöglich werden. Ich wüsste jedenfalls nicht, ob ich in dem Alter noch fit genug bin, um beispielsweise mit dem Rucksack quer durch Australien zu reisen.

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