Xamarin 3

Warum .NET bei iOS und Android nicht aufhört

11. Februar 2015Fabian Höger

Im Jahr 2000 hatte Miguel de Icaza die Idee, Microsofts .NET Framework auch auf andere Plattformen zu bringen. Deswegen wurde im darauffolgenden Jahr das Mono-Projekt gestartet. Hauptziel der Plattformunabhängigkeit war damals Linux. Von der Idee begeistert, übernahm Novell 2003 das Mono-Projekt. Doch anstelle des Durchbruchs kam es zum totalen Stillstand. Während iOS und Android die mobilen Geräte eroberten, herrschte bei Novell Untergangstimmung. 2011 übernahm Attachmate das Unternehmen komplett und das Mono-Projekt wurde ausgegründet. Die Geburtsstunde von Xamarin. Die Personen im Hintergrund sind dabei dieselben geblieben. Im Fokus stehen nun aber nicht mehr Linux oder Solaris, sondern iOS, MacOS und Android.

Version 3.0 mit neuen Funktionen

Die rasante Entwicklung der mobilen Betriebssysteme kommt auch der Entwicklung von Xamarin zugute. Die neueste Version 3.0 verfügt über eine Fülle neuer Funktionen. In Punkto Layout steht für iOS nun ein grafischer Editor zur Verfügung, wie man es aus der Windows Phone Entwicklung schon gewohnt ist. Xamarin unterstützt jetzt auch NuGet vollständig. Dadurch wird das Einfügen, Verwalten und Aktualisieren der Projekte erheblich vereinfacht. Dies ist besonders wichtig, da sich die Aktualisierungen meist die Klinke in die Hand geben. Für Freunde der funktionalen Programmierung wurde der F# Support umgesetzt. Zentralste Neuerung ist aber Xamarin.Forms. Durch Xamarin.Forms sollen plattformunabhängige Layouts möglich sein. Verschiedene standardisierte Steuerelemente ermöglichen die zentrale Gestaltung der Benutzeroberfläche. Danach werden die so erstellten Anwendungsseiten für die entsprechenden Plattformen „übersetzt“.

Mit Xamarin.Forms gab es auch zwei neue Projekttypen, welche die plattformunabhängige Entwicklung unterstützen. Zum einen die „Shared Projects“, welche vom Aufbau her stark an die Universal Apps von Microsoft erinnern. Es werden hierbei keine neuen Assemblies erzeugt. Häufig wird mit Präprozessordirektiven gearbeitet, um einen speziellen Plattformcode zu generieren. Dies ist vor allem bei kleinen Projekten eine schnell zu lernende und leichtgewichtige Methode. Für größere Projekte wird man meistens das „Portable Project“ verwenden. Dieses arbeitet mit Portable Class Libraries. Der Code kann somit über verschiedene Assemblies verteilt werden. Dies erleichtert auch das Einbinden von anderen Bibliotheken oder die Verwendung des MVVM Pattern. Ein weiterer Vorteil ist die Markup-Unterstützung von Xamarin.Forms mit entsprechendem Editor. Somit muss man generische Benutzeroberflächen nicht immer per Code zusammenstellen.

Plattformübergreifende Bibliotheken auf dem Vormarsch

Auch die Unterstützung durch plattformübergreifende Bibliotheken steigt stetig. Viele Entwicklerstudios stellen nun auch schon Controls für die Cross-Plattformentwicklung mit Xamarin zur Verfügung. Die Anzahl der Steuerelemente ist aber noch überschaubar. Man kann aber davon ausgehen, dass bei entsprechender Nachfrage auch hier die Anzahl schnell steigt. Altbekannte Toolkits für eine passende MVVM Architektur, Mathematik  oder Bildbearbeitung werden nun sofort als Portable Class Library angeboten und können somit auch eingesetzt werden. Microsoft selbst darf hier natürlich auch nicht fehlen. Allen voran der Azure Mobile Toolkit.

Die schnelle Entwicklung von Xamarin erfreut den Entwickler. Positiv sei dabei auch zu bemerken, dass Dokumentation und Beispiele dadurch nicht leiden. Falls man doch etwas nicht versteht, gibt es eine immer grösser werdende Community an hilfsbereiten Entwicklern. Das ist wichtig, da es hier und da dann doch noch etwas quietscht im Gebälk. Vor allem die Emulatoren in Android sind noch eine richtige Qual. Das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Komponenten ist auch nicht immer einwandfrei. Weiterhin ist Xamarin ein kommerzielles Produkt. Wenn man es uneingeschränkt nutzen will, muss man dafür auch bezahlen. Allerdings gibt es hier nicht nur eine Trial Version, sondern auch eine eingeschränkte Community Edition. Eine mögliche Investition kann somit ohne Probleme auf Herz und Nieren geprüft werden.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Ausprobieren von Xamarin…

Fabian Höger Fabian Höger unterstützt adesso bei der Umsetzung von Softwareprojekten. Während des Studiums lag sein Schwerpunkt im Bereich .NET, diesen lehrt er mittlerweile als Dozent an der DHBW Karlsruhe. Von Windows Forms über ASP.NET MVC bis hin zu Windows 8 hat er dabei noch keine Microsoft-Technologie ausgelassen.
Artikel bewerten:
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...

Kommentar hinzufügen:

Ihr Kommentar: