Warum Enterprise und Cloud kein Widerspruch sind

24. Oktober 2013Joachim Seidler

Der Begriff Cloud und die sich darum rankenden Themengebiete sind seit mehreren Jahren in der Diskussion und außerhalb der IT auch im täglichen Leben kaum zu übersehen. Der anfängliche Hype scheint verflogen; Wolkenfetzen lösen sich langsam auf. Was bleibt übrig und welchen Nutzen hat die Cloud im Enterprise Business?

Der Begriff Cloud, später konkreter Public Cloud, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Quasi über Nacht war das Thema in aller Munde. Jeder Bereich in der IT baute sich sein eigenes Verständnis auf, um Cloud-Lösungen oder Lösungsbausteine anzubieten. Ein Vorgehen, das häufig die Bedürfnisse des Kunden außen vor ließ.

Public-Cloud-Lösungen bieten eine Plattform, um IT-Lösungen mit sehr geringem Aufwand zu testen. Dies eignet sich sehr gut für Phasen in Entwicklungsprozessen. Es fehlen allerdings Zusagen für Verfügbarkeiten einzelner Entitäten und der Schutz eigener Daten ist nicht garantiert. Private-Cloud-Lösungen bieten generell den gleichen Ansatz, jedoch in abgeschotteten Systemumgebungen. Der Schutz des eigenen Systems und der dort enthaltenen Daten wird vom Anbieter zugesagt. Die zur Verfügung stehenden Systemkomponenten sind konfektioniert, um schnelle Provisionierung und kurze Bereitstellungszeiten zu garantieren. Als Lohn für diese Einschränkung erhält man auf Knopfdruck ein neues System aus der Retorte. Auf Schnittstellen zu Systemen außerhalb der Private Cloud muss zumeist verzichtet werden.

Im Enterprise Business kommt es auf den zuverlässigen Betrieb von Plattformen bei hoher Verfügbarkeit, Sicherheit und heterogener Konnektivität zu Um-Systemen an. In der Regel geht es um angepasste Standardsoftware oder Individualentwicklungen in unternehmenskritischen Bereichen. Die bisher vorherrschenden klassischen Systemarchitekturen sehen den Einsatz dedizierter Hardware-Komponenten vor. Schnelle Skalierung und die anteilige Nutzung von globalen Systemressourcen sind kaum möglich. An dieser Stelle kommt der Enterprise-Cloud-Gedanke ins Spiel: Er stellt die hohen Anforderungen an Verfügbarkeit, Skalierungsfähigkeit, Datensicherheit und autonome Hoheit einer Applikation in den Vordergrund.

Eine typische IT-Systemlandschaft setzt sich aus den Komponenten

  • Firewall
  • Loadbalancing
  • Netzwerk
  • Server
  • Datensicherung

zusammen. Für jede Komponente wird im Enterprise Business höchste Verfügbarkeit und Skalierung benötigt. Es ist technisch kein Problem mehr, diese Herausforderungen für jeden Anwendungsfall individuell zu lösen, jedoch wäre dies mit hohen Kosten verbunden. Meistens werden vorhandene Ressourcen niemals ausgereizt und es wird viel Geld für den „Fall der Fälle“ investiert. Ob diese Investitionen ausreichen, zeigt sich nur im Eintrittsfall, allerdings kann dann nicht mehr schnell reagiert werden. Das Gesamtsystem skaliert also nur innerhalb der festen eigenen Grenzen und nicht frei bedarfsgetrieben.

Innerhalb der Enterprise Cloud werden IT-Systemlandschaften auf virtuellen Komponenten bereitgestellt. Virtualisierung ermöglicht die partielle Nutzung höchstverfügbarer Komponenten in der Portion, die das Geschäft benötigt. Expandiert der Bedarf, skalieren alle Komponenten zeitnah mit. Dies gilt natürlich auch in umgekehrter Richtung. Die entstehenden Kosten verhalten sich synchron zur Skalierung. Es wird immer das System genutzt, welches die Anforderungen erfüllt.

Die Bereitstellung zusätzlicher Komponenten erfolgt durch aktuelle Kopien des Systemstatus. Ob diese wie im Public- und Private-Cloud-Ansatz gänzlich automatisch erfolgen, hängt vom konkreten Szenario ab. In den meisten Fällen ist die vollautomatische Provisionierung im Enterprise Business nicht sinnvoll, obwohl technisch möglich. Der Grund liegt in komplexen Schnittstelleintegrationen oder fehlender Zustandslosigkeit. Dies stellt keinen Makel dar, denn Entwicklungen im Enterprise Business sind auf mindestens einen Tag vorhersehbar. Hierzu ein Beispiel:

Ein Unternehmen benötigt eine Web-Plattform im Kontext Intranet, um eine spezielle Applikation zur Mitarbeiterbindung zu betreiben. Das Thema Mitarbeiterbindung ist hoch priorisiert, es werden daher höchste Zuverlässigkeit und ein sehr gutes Antwortzeitenverhalten benötigt. Zusätzlich gibt es gesteuerte Promotion-Aktionen, die das Nutzungsaufkommen stark steigen lassen. Da es eine Intranet-Anwendung ist, scheidet eine Public Cloud aus. Innerhalb der Private Cloud fehlt die Möglichkeit, mit den Um-Systemen des Intranets zu interagieren. Mit einer Enterprise Cloud erhält das Unternehmen eine geschlossene Einheit aus Firwall-System, Loadbalancer, Web-Server und Applikationsebene. Alle Komponenten bieten höchste Verfügbarkeiten und erzeugen durch den portionierten Einsatz nur einen Bruchteil der Kosten. Das Zuschalten weiterer Web-Server oder Komponenten der Applikationsebene erfolgt mit Vorlauf zu den Aktionen.

Ein weiteres Beispiel stellt ein international aufgestelltes Industrieunternehmen. Es benötigt eine multilinguale Web-Plattform, die das Produktangebot in zahlreichen Ländern der Welt vorstellt und vermarktet. Alle Produkte werden zentral in einem Kernsystem (Katalog) des Industrieunternehmens verwaltet und auf der Web-Plattform bereitgestellt. Im Vordergrund steht erneut die hohe Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit, sowie die Integration in Kernsysteme des Unternehmens. Die Veröffentlichung neuer Produkte oder gezielter Marketingaktivitäten führt zu erhöhtem Nutzungsverhalten. Die hohe Frequenz ermöglicht keine manuelle Provisionierung weiterer Ressourcen. Daher erfolgt diese automatisch über vorkonfektionierte Komponenten mit den Einstellungen der Web-Plattform.

Beide Beispiele zeigen ein ähnliches Anforderungsprofil – individuelle Eigenschaften der Plattformen, höchste Zuverlässigkeit und Skalierung. Gerade die individuellen Eigenschaften machen ein Leben in der Public oder Private Cloud herausfordernd. Im Enterprise Business ist hier die spezifische Betreuung durch versiertes Personal notwendig, die das Geschäft des Kunden verstehen und in dessen Sinne handeln. Die Anwendung virtueller Komponenten ermöglicht hohe Effizienz und Servicequalität.

Alter Wein in neuen Schläuchen? Die einzelnen Bausteine einer Enterprise Cloud sind nicht neu. Deren Kombination und Konzentration auf die wesentlichen Komponenten macht den Unterschied. Cloud-Technologien unter den richtigen Rahmenbedingungen sind daher kein Widerspruch, sondern Antrieb im Enterprise Business. Sie bieten hohe Flexibilität unter wirtschaftlichen Parametern.

Erfahren Sie mehr über die Angebote zum Thema Enterprise Cloud der adesso hosting services GmbH. Haben Sie Fragen zur Enterprise Cloud? Sprechen Sie mich gerne an.

Joachim Seidler Joachim Seidler ist als Leiter Softwareentwicklung, Line of Business Lottery und Content Management bei adesso tätig. Außerdem ist er Geschäftsführer der adesso hosting services GmbH.
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