Vom Digitalen und Realen und dem dazwischen

Thesen über eine Zukunft, die auch schon wieder ganz anders wird

19. November 2015Prof. Dr. Volker Gruhn

Aktuell erleben wir eine technische Revolution in Echtzeit. Wir können live dabei zusehen, wie die Welt sich grundlegend ändert. Für uns gehören Bits und Bytes inzwischen wie selbstverständlich dazu – zu jedem Einkauf, zu jeder Reise, für einige zu jeder Körperbewegung. Maschinen geben uns heute Bescheid, wenn sie repariert werden möchten, und unsere Autos benötigen uns zum Fahren immer seltener. Hinter diesen Entwicklungen steckt das, was es als „Digitale Transformation“ zu Berühmtheit gebracht hat. Kaum ein Nachrichtenmagazin, das das Thema nicht schon auf dem Titel hatte. Das Digitale ist dabei, das Reale von Grund auf neu zu gestalten. Mit weitreichenden Konsequenzen für Unternehmen und Geschäftsmodelle.

Die Auswirkungen der Digitalen Transformation sind fast überall spürbar. Das liegt in einer Entwicklung, die Experten quer durch alle Branchen beobachten: Immer mehr Unternehmen werden digitale Unternehmen. Bei diesen hängen die maßgeblichen Geschäftsprozesse in fast allen Einzelaktivitäten von IT ab. Produkte beziehungsweise Dienstleistungen manifestieren sich in Prozessen, die nahezu ausschließlich digital sind. Einige Unternehmen sind von Natur aus (annähernd) vollständig digital, wie Banken oder Lotterien. Für sie besteht die Gefahr, dass sie von neuen Mitspielern, häufig mit digitalen Wurzeln, an den Rand des Marktes gedrängt werden. Das erfolgreiche Geschäftsmodell der Vergangenheit scheint immer weniger vor den Veränderungen der Zukunft zu schützen.

Aber auch für produzierende Unternehmen, beispielsweise aus der Automobilbranche, erhöht sich der digitale Anteil ihrer Wertschöpfung immer weiter. Die Embedded Software einer Mercedes S-Klasse umfasst schon heute 100 Millionen Programmzeilen – Tendenz steigend. Ein mobiles Endgerät auf vier Rädern.

Software macht vor nichts Halt. Und so erreicht die Digitale Transformation fast alle Branchen, fast alle Unternehmen.

Diesen Entwicklungen nur zuzuschauen wird nicht reichen. Für niemanden. Alle Unternehmen werden sich mit dem auseinandersetzen müssen, was ihre Kunden, ihre Branche und ihre Mitarbeiter bewegt. Die Entscheider müssen die Mechanismen verstehen, die der Entwicklung zugrunde liegen. Das Analysieren der eigenen Situation muss am Anfang aller Überlegungen stehen. Denn ohne diesen ersten Schritt wird es keine Reise in Richtung Digitale Transformation geben. Um dieses Nachdenken anzustoßen, haben wir die komplexen Prozesse und Zusammenhänge zu zehn Thesen verdichtet: von der umfassenden Bedeutung der Entwicklung bis hin zur systematischen Suche nach Potenzialen. Keine ausgearbeiteten Konzepte, sondern pointierte Aussagen, die die zentralen Aspekte auf den Punkt bringen. Aussagen, die als Startpunkt für Diskussionen dienen sollen.

Digitale Transformation? Wir machen das jetzt!

Denn diesen Startpunkt für die Digitale Transformation zu finden ist angesichts der umfassenden Auswirkungen nicht leicht. Was erwarten die Kunden? Welche neuen Wettbewerber spielen eine Rolle? Welche Experten müssen zusammenarbeiten? Dabei sollten Unternehmen sich nicht der Illusion hingeben, dass sie es hier mit einem IT-Thema zu tun haben. Auch wenn die Entwicklungen häufig technologisch getrieben sind, hört die Digitale Transformation nicht an der Tür der IT-Abteilung auf. Ganz im Gegenteil: Die Auswirkungen sind quer durch alle Abteilungen zu spüren. Häufig sorgen veränderte Abläufe dafür, dass die bisherigen Abteilungsgrenzen verwischen und neue Formen der Zusammenarbeit gefunden werden müssen.

Dieser Vielzahl technischer, organisatorischer, planerischer und kommunikativer Themen wird nur Herr, wer mit den richtigen Instrumenten und Konzepten arbeitet. Der Interaction Room ist so ein Instrument. Und um den besonderen Anforderungen der Digitalen Transformation gerecht zu werden, wurde das Basiskonzept des Interaction Room angepasst: Der „Interaction Room for Digitalization Strategy Development“ (IR:digital) unterstützt Entscheider und Projektmitglieder dabei, Digitalisierungspotenziale in ihren Unternehmen zu erkennen und umzusetzen.

Wir sind der Überzeugung, dass die Zeit genau dafür reif ist: Potenziale zu erkennen und das Thema anzugehen. Ganz real und ganz pragmatisch. Nicht mehr über Strategiefolien zu diskutieren, sondern über neue Geschäftsmodelle. „Digitale Transformation? Wir machen das jetzt!“ – Unter diesem Motto werden wir in den kommenden Wochen hier im adesso-Blog immer wieder einzelne Thesen und Aspekte der Digitalen Transformation angehen: von der ersten Ideenfindung über die Implementierung neuer Prozesse bis zur Auswahl geeigneter Technologien wird das Spektrum der Beiträge reichen. Immer mit dem Ziel, aus der nur schwer zu fassenden Digitalen Transformation für Entscheider eine Entwicklung zu machen, die sie managen können und von der sie profitieren werden.

Prof. Dr. Volker Gruhn Prof. Dr. Volker Gruhn gründete 1997 adesso mit und ist heute Vorsitzender des Aufsichtsrats.
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