„Suche Wertschöpfungsbeitrag meiner Big-Data-Technologie“

Potenziale von Big Data mit dem Interaction Room erkennen und nutzen

28. August 2014Dr. Thomas Franz

So oder so ähnlich könnte der Weg vieler Big-Data-Ansätze in Unternehmen verlaufen: „Wir haben hier diese neue Big-Data-Technologie mit vielen Vorteilen und neuen Möglichkeiten. Die bringt unser Unternehmen weiter!“, sagt der IT-Experte der Beispiel AG. „Und wie verhilft uns diese Technologie, unsere geschäftlichen Ziele, mehr Wachstum und effizientere Wertschöpfung zu erreichen?“, fragt die Fachabteilung oder das Management. Diese Frage lässt sich ohne eine fundierte fachliche und technologische Betrachtung nicht beantworten – zumindest nicht im Hinblick auf das konkrete Geschäftsmodell und die spezifische Unternehmensausprägung. Im Folgenden gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Es findet sich eine Abteilung, die sich dazu überreden lässt, die Technologie einzusetzen.
  • Das Thema Big Data wird innerhalb der Beispiel AG nicht weiter verfolgt.

Im ersten Fall ist ein Erfolg des Big-Data-Projekts höchstens zufällig, denn ohne eine deutliche Vorstellung des Wertschöpfungsbeitrags ist die Abteilung nur mäßig motiviert, das Projekt zu unterstützen. Im zweiten Fall wird das Risiko eingegangen, das Wertschöpfungspotenzial der Technologie ungenutzt zu lassen.

Um das Potenzial von Big Data in Unternehmen angemessen bewerten zu können, bedarf es einer Kombination aus Technologie- und Fachwissen. Typischerweise ist die geforderte Wissenskombination in Unternehmen nicht vorhanden und damit scheut man sich häufig eher davor, sich mit Big Data auseinanderzusetzen. Dabei können Wissenslücken mithilfe eines methodischen Ansatzes leicht gefüllt werden und das auch noch, ohne große Kosten zu verursachen.

Das Dilemma der Kompetenzlücke

Die Entscheidung, eine neue Technologie zu nutzen, sollte unter anderem durch den Wertschöpfungsbeitrag der Technologie für das Geschäft begründet sein. Zur Bewertung des geschäftlichen Potenzials bedarf es jedoch fast immer einer Kompetenz, die nicht in einer Person im Unternehmen vereint ist. Vielmehr findet man in Unternehmen die folgende typische Konstellation vor, die im Sinne einer optimalen operativen Ausrichtung natürlich auch sinnvoll ist:

1. Der IT-Experte sieht und versteht die konzeptionellen Vorteile von Big-Data-Technologien für bestimmte Anforderungen.

2. Er kann jedoch nicht genau definieren, welche bestehenden Geschäftsprozesse an welchen Stellen von der Erfüllung solcher Anforderungen profitieren. Auch IT-Experten im eigenen Unternehmen vereinen nicht die fachliche Kompetenz, die notwendig ist, um Geschäftsprozesse auf den Prüfstand zu stellen.

3. Der Fachexperte hingegen besitzt diese Kompetenz, kennt die Geschäftsprozesse und kann Aufwände, Optimierungspotenziale und Prozessänderungen bewerten.

4. Er kann jedoch nicht überblicken, wie konzeptionelle Neuerungen einer Technologie für die Optimierung der Geschäftsprozesse verwertet werden können.

IR_BigData_1In dieser typischen und auch unvermeidlichen Konstellation ist es nur schwer möglich, Big Data oder jegliche andere komplexe Technologie effektiv einzusetzen oder gar optimal von den technologischen Möglichkeiten zu profitieren. Die Lösungskompetenz für die Beantwortung der Frage „Hat Big-Data-Technologie einen konkreten Nutzen, wenn ja, welchen?“ ist nicht vorhanden. Eine sinnvolle Entscheidung für oder gegen Big Data ist auf dieser Grundlage kaum zu treffen.

Gemeinsame Verständnisbildung ist die Lösung

Um geschäftliches Potenzial neuer Technologien auszunutzen, muss zwischen den IT- und Fachexperten zunächst ein gemeinsames Verständnis für das jeweilige Wissen und die entsprechenden Anforderungen geschaffen werden. Nur so kann die benötigte Entscheidungskompetenz aufgebaut werden und die Verwertung des technologischen Potenzials für die Lösung der fachlichen Anforderungen beginnen.

Am runden Tisch sitzen reicht nicht

Eigentlich ist es ganz naheliegend: Die Lösung lautet Kommunikation. Dabei reicht es aber nicht, die Personen mit den benötigten Kompetenzen an einen Tisch zu holen. Die Kommunikation muss gezielt an den Wertschöpfungspotenzialen orientiert geführt werden. Geschäftsprozesse, IT-Systeme und involvierte Daten müssen von allen Beteiligten gemeinsam betrachtet werden. Erst wenn es ein kollektives Verständnis darüber gibt, können die Bereiche identifiziert werden, die besonders – im Sinne der Wertschöpfung – von Big-Data-Technologien profitieren.

Eine Big-Data-Entscheidung mit dem Interaction Room for Strategy fällen

Der Interaction Room for Strategy (IR:strategy) ist eine Ausprägung, der am paluno Institut entwickelten Methode „Interaction Room“. Der Interaction Room, ein physikalischer Raum, unterstützt die Projektbeteiligten bei der gemeinsamen Lösungsentwicklung. Die Methode verfolgt ein ganz einfaches Ziel: Fach- und IT-Experten besser miteinander reden zu lassen und ein gemeinsames Verständnis über alle Anforderungen zu erhalten. Erreicht wird dies durch eine nicht IT-orientierte, visuelle Darstellung von Prozessen. Diese Methode haben wir gemeinsam mit paluno für eine zielgerichtete Auseinandersetzung mit strategischen Wertschöpfungspotenzialen weiterentwickelt.

IR_BigData_2

Die Abbildung (zum Vergrößern auf das Bild klicken) skizziert grob den Ablauf eines Interaction Room for Strategy zur Analyse des Wertschöpfungspotenzials von Big-Data-Technologie bei einem Kunden. Neben der Auswahl geeigneter Stakeholder und der Priorisierung und Definition von Zielen ist bei Big-Data-Projekten die Betrachtung von

  • Daten-produzierenden Prozessen und
  • Daten-konsumierenden Prozessen

besonders relevant. Aus dieser Betrachtung werden Integrations- und Transformationsanforderungen schnell ersichtlich, da beteiligte IT-Systeme, Datenbanken und Schnittstellen abgeleitet werden können. Zusätzlich werden Datenströme explizit und geben in Kombination mit den hinterlegten Prozessen Denkanstöße für

  • Wertschöpfungspotenziale durch die Hinzunahme weiterer Daten(-quellen).
  • Wertschöpfungspotenziale durch neue, andere oder komplexere Analyseverfahren, die mit Big-Data-Technologie heute wirtschaftlich umgesetzt werden können.

Derartige Denkanstöße können anschließend durch die Analyse von Ist- und Sollprozessen ebenfalls expliziert werden. Dabei bietet das Annotations-Set des Interaction Room umfassende Unterstützung für die Bewertung nach unterschiedlichen wertschöpfungsrelevanten Kriterien. Im Zusammenklang mit der notwendigen Methoden-Kompetenz, die adesso und paluno bereitstellen, können Fach- und IT-Experten konkrete Wertbeiträge auf diese Weise systematisch identifizieren.

Wertschöpfungspotenziale entdecken und fundierte Entscheidungen treffen

Eine gründliche Auseinandersetzung mit Big Data wird vielfach als eine strategisch notwendige Aufgabe angesehen. Diese zu bewerkstelligen ist allerdings schwierig. Es klafft oft eine Kompetenz-Lücke zwischen technischen Möglichkeiten und geschäftlichen Potenzialen – so wie in der Beispiel AG. Der Interaction Room for Strategy bietet eine wirtschaftliche Möglichkeit, um fundierte und geschäftlich begründete Entscheidungen gegen oder für neue Technologien zu treffen. Für den letzteren Fall ist damit sogar bereits sehr viel Vorarbeit geleistet, um zügig mit der Umsetzung zu beginnen. „Mit dem Interaction Room for Strategy gewinnen wir ein einhelliges Bild über die Potenziale von Big Data. Das hat dazu geführt, dass die Technologie gezielt eingesetzt wird und wir unser Geschäft messbar steigern“, sagt der Vorsitzende der Beispiel AG.

Setzen Sie schon auf Big Data oder überlegen den Einsatz dieser Technologie? Haben Sie Fragen dazu oder zu der hier vorgestellten Methode des Interaction Room for Strategy? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Dr. Thomas Franz Dr. Thomas Franz ist Technologieexperte bei adesso. Er interessiert sich für die Themen Big Data, Lean Startup und DevOps sowie deren Zusammenwirken mit technologischen Trends wie NoSQL-Datenbanken, Cloud-Infrastrukturen und modernen Web-Architekturen.
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