SmartShore: Internationale deutschsprachige Teams für kosteneffiziente IT-Projekte

Ein Beispiel aus der Bankenbranche

1. September 2016Jewgenij Singer

Es gibt viele Gründe darüber nachzudenken, große IT-Projekte (teilweise) im Ausland umsetzen zu lassen. Die günstigen Kostenstrukturen etwa. Hier sind Gehälter und Infrastrukturkosten deutlich niedriger als in Deutschland – deshalb sind Offshore- und Nearshore-Zentren in vielen Ländern der Welt entstanden. Ein zunehmend bedeutender Grund ist aber auch die demografische Entwicklung. Sie führt bereits heute dazu, dass viele Positionen in technologieorientierten Unternehmen nicht besetzt werden können. Die Zahl der Studienanfänger in Studiengängen wie Informatik spricht darüber hinaus eine deutliche Sprache: Der Trend lässt sich nicht umkehren – er wird sich verstärken.

SmartShore bei adesso

Mit dem adesso-SmartShore-Ansatz haben wir ein Nearshore-Modell entwickelt, das auf diese Herausforderungen reagiert. SmartShore bedeutet im engeren Sinne eine Zurverfügungstellung von international gemischten Teams. Diese setzen sich aus deutschen und türkischen Kollegen zusammen, deren Projektsprache ausschließlich Deutsch ist. Ein Teil des Teams – derjenige, der z. B. auch die Projektleitung einschließt – arbeitet dabei direkt beim Kunden vor Ort. Der andere Teil ist von unserer Geschäftsstelle in Istanbul aus aktiv. Auf diese Weise können Kostenersparnisse von bis zu 40 Prozent erzielt werden, ohne dabei auf die Risiken von typischen Nearshoring-Projekten, beispielsweise in Form von kommunikativen Zusatzaufwänden oder von intransparenten Projektabschnitten, einzugehen.

Mit unserem SmartShore-Ansatz haben wir bereits viele Projekte in verschiedenen Branchen, wie beispielsweise im Banken- und Versicherungswesen oder in der Automobilbranche realisiert. Wie genau so ein Projekt funktioniert, stellen wir euch als nächstes vor.

Ein erfolgreiches Projektbeispiel aus der Bankenbranche

Bei der Einführung eines neuen Kontoproduktes im Online Banking einer deutschen Großbank bestand für uns folgende Projektaufgabe: Den Bankkunden sollte es zukünftig ermöglicht werden, zusätzliche Leistungen digital hinzu zu buchen, ohne dafür eine Filiale aufsuchen zu müssen. Das Ziel des Projektes war es, diese Anforderung durch ein spezielles Konfigurationsmodul umzusetzen. Durch den Einsatz dieses Moduls hat adesso SmartShore Pionierarbeit im deutschen Bankensektor geleistet.

Innerhalb des Projektes wurden folgende Front-End-Prozesse für das Onlinebanking umgesetzt:

  • Die Höhe des künftig gewünschten Dispositionskredits kann vom Kunden online gestellt werden.
  • Kreditkarten können online beantragt werden. Bei fehlender Bonität wird alternativ eine Prepaid-Kreditkarte angeboten.
  • Depoteröffnungen sind online möglich. Das Eröffnungsverfahren beinhaltet zudem eine Kundenbefragung zu den Erfahrungen im Handel von Wertpapieren.
  • Spar- sowie Tagesgeldkonten können online eröffnet werden.

Einige der Teilprozesse, wie etwa zum Dispositionskredit, Depot, Sparkonto oder Kreditkarte, waren bereits in der Altanwendung rudimentär verfügbar und mussten innerhalb der erneuerten Online-Anwendung reimplementiert werden. Zudem war die verwendete Technologie, Struts, nicht kompatibel mit den aktuellen IOB-Technologien, Wicket und RFF. Daher mussten die darüber hinaus benötigten Anwendungen von Grund auf neu entwickelt werden.

Das eingesetzte Modul vereinfacht durch diese erweiterte Option des Onlinebankings das Leben der Bankkunden und erhöht gleichermaßen die Attraktivität der Bank. Dem Kunden ist es nun möglich, bestimmte Aufträge von zu Hause aus durchzuführen, ohne dafür die Filiale aufsuchen zu müssen. Das bedeutet für den Kunden eine enorme Zeitersparnis und ein Höchstmaß an Flexibilität.

Im gesamten Projektverlauf wurde Java 1.6, Spring, Apache Wicket, RFF, Apache Maven, JUnit, Mockito, Log4J, Apache Commons, Git, JIRA und Bitbucket angewandt, um das Projekt erfolgreich abzuschließen.

Das adesso-SmartShore-Projektteam setzte sich in diesem Fall aus dem Projektleiter und den Softwarearchitekten – diese waren vor Ort beim Kunden − sowie einem Teilprojektleiter und einem achtköpfigen Entwicklungs− und Qualitätssicherungsteam, die von unserer Geschäftsstelle in Istanbul aus arbeiteten, zusammen. Der Projekt-Kick-Off fand in diesem Projekt, wie bei allen SmartShore-Projekten, unter Einbezug aller Teammitglieder beim Auftraggeber vor Ort statt. Nach dieser „Kennenlernphase“ arbeiteten unsere türkischen Kollegen von unserer Nearshore-Geschäftsstelle in Istanbul weiter. Das Projekt gestaltete sich agil, das heißt, es gab ungeplante Projektänderungen, auf die im Laufe der Projektphase reagiert werden musste. Da dem Kunden in relativ kurzen Abständen die Projektartefakte zur Verfügung gestellt wurden, war es uns durch das zeitnahe Feedback unseres Auftraggebers möglich, schnell auf diese Anforderungsänderung zu reagieren. Wie in allen SmartShore-Projekten standen auch hier alle Teammitglieder in einem ständigen kommunikativen Austausch. Durch den Vorteil, dass alle Mitarbeiter innerhalb unserer SmartShore-Projekte Deutsch sprechen, bestanden auch in diesem konkreten Projekt keine kommunikativen Hürden, die zu zeitlichen Verzögerungen führten. Auf diese Weise konnte das Projekt, wie vereinbart, abgeschlossen werden.

Welche Erfahrungen habt ihr bereits mit Nearshore-Projekten gemacht? Habt ihr Fragen zu unserem SmartShore-Modell? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Jewgenij Singer Jewgenij Singer ist Senior Business Development Manager für den Bereich SmartShore bei adesso. Seit über 10 Jahren beschäftigt er sich mit der Optimierung von Nearshore-Modellen. Jeff war unter anderem Mitgründer eines Softwareentwicklungsunternehmens sowie als Business Development Manager für verschiedene große europäische Softwareentwicklungsunternehmen tätig.
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