Mehr Mobilität, Agilität und Elastizität – jetzt! Und wo stehen wir überhaupt im Jahr 2016?

Drei Experten, drei Fragen – neun Antworten zur New School of IT

14. August 2014Andreas von Hayn

Die New School of IT ruht auf drei Säulen: Mo­bilität, Agilität und Elastizität. Mobilere Kun­den, Mitarbeiter und Partner; agilere Konzepte der Softwareentwicklung und elastischere IT-Infrastrukturen erfordern ein Umdenken, nicht nur in IT-Abteilungen, sondern im ganzen Unternehmen. Aber warum gerade diese The­men? Und warum jetzt? Unsere Experten Dr. Josef Brewing, Martin Schmitz-Ohrndorf und Dr. Thomas Franz erläutern, warum die Zeit reif ist für eine New School of IT. Und was Entscheider jetzt anstoßen sollten, damit ihre Unternehmen in Zukunft von den Entwicklungen profitieren.

adesso_Interview_NSoITUnsere Experten: Dr. Josef Brewing, Martin Schmitz-Ohrndorf und Dr. Thomas Franz

Aussagen darüber, welche IT-Trends sich durchsetzen werden, gibt es zuhauf. Warum sind Sie davon überzeugt, dass
Mobilität, Agilität und Elastizität auf der Themenliste der Unternehmen ganz oben stehen sollte?

Dr. Josef Brewing: Mitarbeiter, Kunden und Partner erwarten einfach Mobilität. Ob als Privatperson oder als beruflicher Anwender: Die Nutzung mobiler Endgeräte hat sich als fester Bestandteil des Lebens etabliert. Die Schlussfolgerung für Unternehmen ist ganz einfach: Wer auf diesen Endgeräten nicht erscheint, spielt bei den Nutzern schon jetzt nur noch eine untergeordnete, eher zufälli­ge Rolle. Ein Trend, der sich in Zukunft noch verschärfen wird. Richtig durchdacht und umgesetzt, tun sich mit mobilen Konzepten ganz neue Möglichkeiten der Marktkommunikation auf. Unternehmen erreichen ihre Ziel­gruppen persönlich, privat, direkt, überall und jederzeit.

Martin Schmitz-Ohrndorf: IT hat das Zeug dazu, Geschäftsprozesse entscheidend mitzugestalten. Aber häufig wird sie die­sem Anspruch nicht gerecht; es fehlt an der Verknüpfung zwischen IT und Busi­ness. Hier spielen Konzepte der agilen Softwareentwicklung ihre Stärken aus: Sie sorgen dafür, dass beide Bereiche enger miteinander verzahnt werden. Wer agil arbeitet, dem ist klar, warum getan wird, was getan wird. Hinzu kommt, dass Produkte und Ser­vices in immer kürzeren Abständen auf den Markt gebracht werden. Umfang­reiche Phasen zur Spezifikation, für den Entwurf der Software sowie für Quali­tätssicherung und Abnahme gehören der Vergangenheit an. Um dem Rechnung zu tragen, muss das Unternehmen sich anders organisieren.

Dr. Thomas Franz: Elastizität bildet die Grundlage für die Bewältigung heutiger und zukünftiger Herausforderungen, denen Unternehmen gegenüber stehen. Big Data, Mobilität, agile Softwareent­wicklung – kaum ein aktuelles IT-Thema, das im Hintergrund nicht auf elastische IT-Infrastrukturen setzt. Das lässt sich am Beispiel „Agilität“ verdeutlichen: Um schnelle und qualitativ hochwertige Softwareentwicklungsprozesse auf die Straße zu bringen, ist ein hoher Auto­matisierungsgrad notwendig. Elastische IT ist die Basis dafür. Erst durch sie ist es Projektteams möglich, Entwicklungs-, Test- und Produktivumgebungen schnell und reproduzierbar zu erstellen.


Werfen wir einen Blick in die Zukunft – was kennzeichnet ein Unterneh­men im Jahr 2016, das
Mobilität, Agilität und Elastizität „lebt“?

Dr. Josef Brewing: Ein mobiles Unterneh­men verfügt über eine serviceorientierte IT-Infrastruktur. Diese Infrastruktur sorgt dafür, dass Informationen, Produkte oder Prozesse – unabhängig vom Endgerät – weltweit in gleichbleibender Geschwin­digkeit und Qualität bereitgestellt werden. Anwender bekommen das angezeigt, was zu Situation und Ort passt. Damit dies funktioniert, werden Unternehmen ler­nen, das Nutzerverhalten immer besser zu analysieren.

Martin Schmitz-Ohrndorf: Agile Unternehmen werden statische Strukturen ihrer Softwarelandschaft durch flexible Lösun­gen ersetzt haben. Diese Vorreiter wer­den die Trennungen zwischen Fach- und IT-Experten abbauen; Verantwortung wird stärker gemeinsam gelebt. Dies sorgt dafür, dass sich die Softwarequalität ver­bessern wird. Mehr Agilität sorgt dafür, dass alle Beteilig­ten mit Erfolg und Spaß neue Geschäftsfel­der entwickeln und bestehendes Business verbessern.

Dr. Thomas Franz: Automatisierung in der IT kennzeichnet dieses Unternehmen. Wer auf elastische IT setzt, kann seine Bereit­stellungsprozesse automatisieren.  In Unternehmen, die Elastizität leben, sind Konzepte wie „Soft­ware as a Service“ oder „Platform as a Ser­vice“ etabliert und stellen die neue Schnitt­stelle zur Unternehmens-IT dar. Hier entwickelt die Unternehmens-IT selbst neue Dienstleistungsangebote. Sie ist Innovator für das Business.


Unternehmen, die das Thema mobile Ge­schäftsprozesse angehen wollen, stehen häu­fig vor der Herausforderung, den ersten Schritt in Richtung „mehr
Mobilität, Agilität oder Elastizität“ zu gehen. Was würden Sie den Entscheidern raten?

Dr. Josef Brewing: Erst denken, dann han­deln. Das bedeutet: Inwieweit das eigene Unternehmen von den beschriebenen Ent­wicklungen betroffen ist, sollten die Ent­scheider auf Basis eines internen Klärungs­prozesses bewerten. Sie sollten ein Umfeld schaffen, das es erlaubt, die eigenen Pro­dukte und Dienstleistungen, Abläufe und Strukturen vor dem Hintergrund mobiler Anforderungen in Frage zu stellen.

Martin Schmitz-Ohrndorf: Agile Softwareentwicklung ist kein reines IT-Thema. Agi­lität betrifft die gesamte Organisation, sie greift stark in das kulturelle Gefüge eines Unternehmens ein. Richtig umgesetzt, erfordert das einen sorgfältig geplanten Change-Prozess. Dazu gehört die Unter­stützung durch das Management ebenso wie Schulungen für die Beteiligten. Wichtig sind erste Erfolge in „Leuchtturm-Projek­ten“; diese strahlen positiv auf den Rest der Organisation aus.

Dr. Thomas Franz: Elastizität bringt neue Themen und neue Werkzeuge mit, die beherrscht werden müssen. Hier sollten IT-Abteilungen entsprechende Kompe­tenzen aufbauen. Elastizität setzt aber auch ein anderes Verständnis von IT vor­aus. Startups werden mit Lösungen wie Amazon EC2 und S3 groß und setzen diese wie selbstverständlich ein. Klassischen Unternehmen empfehle ich, XaaS-Ansätze zunächst in Teilbereichen zu etablieren und so erste Erfahrungen zu gewinnen.

Wie sieht es in Ihrem Unternehmen aus? Nehmen die IT-Trends Mobilität, Agilität und Elastizität bereits Einfluss auf Ihre Strategie?

Andreas von Hayn Andreas von Hayn ist PR-/Marketing-Manager bei adesso.
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