Kostenlose Reporting-Lösungen im Vergleich

30. Oktober 2014Saskia Klee

Reporting, geht das nicht auch ohne zusätzliche Kosten? Diese Frage hat sich einer unserer Kunden gestellt und uns damit beauftragt, ein kostenloses Reporting-Tool zu finden, welches die folgenden Anforderungen erfüllt:

  • Ermöglicht die Anbindung verschiedener Datenbanken (Mindestanforderung MySQL)
  • Erlaubt die Erstellung von Reports durch reine Fachanwender – also ohne Entwicklerwissen
  • Bietet die Möglichkeit zur Durchführung von Ad-hoc-Auswertungen
  • Beinhaltet eine deutschsprachige Benutzerführung sowie Dokumentation
  • Ermöglicht die Erstellung und Ausführung von Reports sowohl über Desktop- als auch über Web-Client
  • Bietet die Möglichkeit die folgenden Aktionen vorzunehmen: Filterung von Daten sowie Gruppierung & Aggregation von Feldern
  • Ermöglicht die Erstellung selbstdefinierter Felder (z.B. für Erstelldatum des Reports)
  • Ermöglicht die Ausführung eines Reports mit Parametern
  • Erlaubt die Erstellung von Templates sowie das Kopieren von Reports als Grundlage für andere Reports
  • Ermöglicht das Etablieren eines Rollenmodells
  • Bietet die Möglichkeit – neben der tabellarischen Darstellung –, auch graphische Darstellungen (z.B. Balkendiagramm) einzubinden
  • Erlaubt das Speichern und Exportieren von Reports (insb. als PDF, CSV und Excel)
  • Ermöglicht das Schedulen von Reports

Insgesamt haben wir 18 Open Source Tools auf die Erfüllung dieser Anforderungen hin untersucht. Das Ergebnis: Wir haben kein Tool gefunden, welches alle Anforderungen erfüllt. Als Hauptknackpunkte haben sich hierbei die Benutzbarkeit durch Fachanwender sowie – aufgrund der häufig noch geringen Etablierung im deutschen Markt – die deutschsprachige Benutzerführung und Dokumentation herausgestellt.

Die meisten Reporting-Tools sind für die Programmierung optimiert: Sie erlauben eine einfache Einbindung in Eclipse und/oder eine bestehende Anwendung, machen dafür aber SQL oder häufig auch Java zur Reporterstellung erforderlich. Dadurch leidet die Anwenderfreundlichkeit und insbesondere reine Fachanwender, haben Schwierigkeiten selbst Reports zu erstellen.

Die untersuchten Reporting-Tools wurden anhand ihrer Anforderungserfüllung bewertet. Am besten dabei abgeschnitten haben die folgenden drei Tools in absteigender Reihenfolge:

Bei unserem Testsieger JasperReports liegen noch folgende Einschränkungen vor:

  • Nur sehr einfache Reports benötigen kein Entwicklerwissen und können somit von reinen Fachanwendern erstellt werden. Für komplexere Reports ist ein technisch-versierter Report-Designer erforderlich, welcher gute SQL- und optional auch Java-Kenntnisse besitzt.
  • Eine durchgehend deutschsprachige Benutzerführung und Dokumentation ist nicht vorhanden. Lediglich die Server-Komponente zum Ausführen der Reports ist deutschsprachig. Das Jaspersoft Studio zum Erstellen der Reports liefert standardmäßig nur die Sprachen Englisch und Italienisch, sollte sich jedoch auch auf Deutsch umstellen lassen. Dies konnten wir jedoch nicht verifizieren – auf unserem Testrechner war eine Umstellung nicht erfolgreich.
  • Sollte ein Support benötigt werden, so muss hierfür gezahlt werden. Darüber hinaus gibt es ein Community-Forum in dem Fragen gestellt werden können. Sofern es sich dabei nicht um eine bereits beantwortete Frage handelt, ist jedoch offen inwiefern dies hilfreich ist. Der von uns dort vorgenommene Eintrag bezüglich der Deutsch-Übersetzung wurde leider nur von wenigen gelesen und von niemandem beantwortet.
  • Reports können nur in der kostenpflichtigen Pro-Version gespeichert werden. Es ist jedoch möglich Reports zu exportieren, um Ergebnisse zu speichern, wodurch diese Einschränkung nicht ins Gewicht fällt.

Neben der kostenfreien Community-Version ist JasperReports auch in einer von der Firma Jaspersoft kostenpflichtig angebotenen ProVersion erhältlich. Vorteil dieser Version ist unter anderem, dass ein fachseitenfreundlicheres Ad-hoc-Reporting enthalten ist. Insbesondere bei Nutzung durch reine Fachanwender kann die ProVersion somit sehr interessant sein. Es ist aber auch problemlos möglich mit der Community-Version zu starten und zu einem späteren Zeitpunkt auf die ProVersion umzusteigen.

Fazit

Wer eine kostenfreie Reporting-Lösung sucht, die nicht deutschsprachig sein muss und dabei technisch versiert ist, hat eine gute Auswahl an verschiedenen Tools – wie z.B. JasperReports – zur Verfügung. In jedem anderen Fall ist eine kostenfreie Lösung jedoch leider mit einigen Einschränkungen, insbesondere hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit, verbunden. Es ist jedoch häufig möglich, von der kostenfreien OpenSource-Version auf eine entsprechend umfangreichere kostenpflichtige Version umsteigen.

Um entscheiden zu können, welches die beste Lösung ist – kostenloses Tool, kostenpflichtige Version eines OpenSource-Tools oder rein kommerzielles Tool – ist es notwendig zu wissen, welche Anforderungen an das Reporting-Tool gestellt werden. Nur wenn – wie in unserem Fall – ein detaillierter Anforderungskatalog vorliegt, kann diese Entscheidung sinnvoll getroffen werden.

Haben Sie bereits eines dieser kostenfreien Tools genutzt? Wir freuen uns über Ihre Anwenderberichte.

Saskia Klee Saskia Klee ist dem Competence Center Business Intelligence bei adesso zugeordnet. Sie verfügt über 10 Jahre Beratungserfahrung in den Bereichen Business Intelligence & DWH, Softwareentwicklung und Service Management. Ihre Schwerpunkte liegen in der Anforderungsanalyse, Konzeption und Erweiterung großer BI-Lösungen.
Artikel bewerten:
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Loading...

Kommentare

Lucas Pedretti 26. September 2016 Website des Autors

Hier Fehlt Qymatix. Unsere Lösung bietet leistungsstarke Prognose-Funktionen für die Vertriebsplanung und -steuerung, die auf ERP Daten basieren.

https://qymatix.de/de/

Kommentar hinzufügen:

Ihr Kommentar: