Kompetenz-Profiling als Instrument innovationsförderlicher Biographiegestaltung in der IT-Branche

27. Mai 2013Dr. Angela Carell und Viktoria Glasmachers

Die IT-Branche ist zwar nach wie vor eine junge Branche, dennoch macht der demographische Wandel auch vor ihr nicht halt. Vor allem der damit einhergehende Fachkräftemangel und der „Wettbewerb um die Talente“ fordern von IT-Unternehmen neue Konzepte, um die verfügbaren aber sich verknappenden menschlichen Ressourcen optimal zu nutzen. So kommen nach Angaben des VDI (Verein Deutscher Ingenieure) bereits heute auf jeden arbeitslosen Informatiker ca. 3,7 offene Stellen – Tendenz steigend.

adesso hat diese Herausforderung angenommen. Unser Ziel ist es, die vorhandenen Kompetenzen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter systematischer und diese zugleich gezielter in unsere Innovationsprozesse einzubringen. „Systematischer“ und „gezielter“ heißt für uns dabei, vor allem diejenigen Kompetenzen unserer Beschäftigten sichtbar zu machen, die bisher weitgehend vernachlässigt wurden: zum Beispiel außerberufliche Erfahrungen (z.B. Ehrenämter) sowie Erfahrungen und Kompetenzen, die in Berufsfeldern außerhalb der IT-Branche gesammelt wurden. Denn in der IT-Branche werden zunehmend auch Quereinsteiger beschäftigt, die einen reichhaltigen, weitgehend aber noch „verborgenen“ Schatz an Erfahrungen und Kompetenzen mitbringen.

Im Projekt Debbi1 „Diskontinuierliche Erwerbsbiographien als betriebliche Innovationschance“ entwickelt adesso ein Profiling-Instrument, mit dem diese Kompetenzen besser identifiziert, visualisiert und in Zusammenhang gebracht werden können. adesso setzt hier auf ein internes Profiling-Werkzeug auf, das es bereits jetzt ermöglicht, IT-orientierte Kompetenzen wie zum Beispiel Programmiersprachen und  Projekterfahrungen zu erfassen. Mit dem neuen Instrument werden die Beschäftigten nun auch die Möglichkeit haben, in einem gesonderten Bereich Informationen über Interessensgebiete und Erfahrungen einzutragen, die sie außerhalb der IT gesammelt haben. Durch Hinzuziehen eines Synonymkatalogs werden systemseitig Zusammenhänge zu verwandten Begriffen hergestellt. So lassen sich gezielter innovative Teams mit vielfältigen Erfahrungen und Hintergründen zusammensetzen. Zusätzlich können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über eine Tagging-Funktion Zusammenhänge zwischen Kompetenzen und Bereichen herstellen, so dass langfristig eine adesso-spezifische Ontologie aufgebaut wird.

Das neue Profiling-Instrument soll darüber hinaus den Staffing-Prozess, also die passgenaue Zuordnung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu Kundenprojekten, unterstützen. So können Beschäftigte mit „ähnlichen“ Profilen leichter ermittelt werden. Das ist gerade für einen großen IT-Dienstleister wie adesso ein enormer Vorteil. Darüber hinaus sollen die Suchanfragen systematisch ausgewertet werden. So lassen sich frühzeitig neue Trends bei den nachgefragten Kompetenzen in der IT-Branche erkennen und gegebenenfalls entsprechende Weiterbildungen initiieren.

Aber nicht nur adesso selbst kann von dem neuen Instrument profitieren: Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können zu ihrem eigenen Profil ähnliche (anonymisierte) Kompetenzprofile finden; auch sie können die aus den Suchanfragen identifizierten Kompetenztrends nachverfolgen und so gezielt Strategien für ein aktives Biographie- und Kompetenzmanagement entwickeln.

Wir arbeiten auch daran, alle in einem Organisationsbereich von adesso verfügbaren Kompetenzen zu systematisieren und zu visualisieren. Dadurch kann der Einzelne besser dabei unterstützt werden, sein Kompetenzprofil im Unternehmenszusammenhang zu sehen. Aber auch adesso kann die Vielfältigkeit der im Unternehmen verfügbaren Kompetenzen besser einschätzen. Denn Vielfalt ist ein zentraler Baustein des Innovationspotenzials eines Unternehmens.

Möchten Sie mehr über das Projekt Debbi erfahren? Wir freuen uns auf Ihre Fragen und Kommentare.

  1. Quelle:
Dr. Angela Carell und Viktoria Glasmachers Dr. Angela Carell und Viktoria Glasmachers sind bei der adesso AG beschäftigt. Dr. Angela Carell ist für den Bereich „Forschung und Forschungsförderung“ zuständig. Viktoria Glasmachers ist als Enwicklerin für das Projekt DEBBI verantwortlich.
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