Euro-Zahlungsverkehr, einer für alle

Der Countdown läuft – Teil 2

11. Juli 2013Hans von Mühlen

Haben Sie schon mal Geld auf ein ausländisches Bankkonto überwiesen? Dann kennen Sie das: die meisten Banken bieten schon seit einigen Jahren Euro-Überweisungen per IBAN und BIC an. Ab Februar 2014 gilt dies europaweit für den gesamten SEPA-Raum – dann auch für Zahlungsaufträge innerhalb eines Landes. Eine Umstellung, die also jeden betrifft.

Vor einigen Wochen stellten wir hier im Blog schon einmal die Frage: Wie fit sind Sie für SEPA? Im Artikel „Der Countdown läuft – Teil 1“ gaben wir Einblicke in die Welt der Banken, Finanzdienstleister und großen Firmen, die sich auf die neuen Regeln des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums vorbereiten. Wir lieferten Hinweise zu besonderen Herausforderungen, die bis zur Umstellung am 1. Februar 2014 noch zu meistern sind und erläuterten, wie man sich aus unserer Sicht optimal vorbereitet. Nun werfen wir einen Blick auf Konsumenten und kleinere Institutionen wie zum Beispiel Vereine. Was müssen die bei der SEPA-Umstellung beachten und wie könnte sich die Zukunft des Zahlungsverkehrs für sie entwickeln?

Privatpersonen/Verbraucher: Einheitlich quer durch Europa überweisen

Die meisten Banken bieten die EU-Standardüberweisung schon seit einigen Jahren im Online-Banking und mittels Überweisungsträger an. Die wenigsten Privatkunden haben sie vermutlich ausprobiert. Ich selbst nur ein einziges Mal: für eine Spende an Wikipedia auf ein belgisches Bankkonto. Unauffällig begegnen uns IBAN und BIC als Zusatzinformation auf einigen Rechnungen oder Fußzeilen von Firmenanschreiben. Wir müssen uns nun allerdings schnell damit anfreunden, dass wir demnächst nicht mehr die gute alte Kontonummer und Bankleitzahl angeben können, wenn wir jemandem unsere Kontodaten mitteilen und dass sich einige Prozesse im Bereich Lastschrift und Überweisung ändern werden. Wir als Endverbraucher erfahren zwar nicht alles direkt, sollten aber manches im Hinterkopf haben. Ich möchte Ihnen im Folgenden einige Fragen beantworten, die Sie sich im Zusammenhang mit der SEPA-Umstellung vielleicht schon gefragt haben oder die aufkommen könnten, wenn Sie sich ausführlicher damit beschäftigen:

Welche Angaben benötige ich nach der SEPA-Umstellung, wenn ich eine Überweisung tätigen möchte?

Wie bereits erwähnt, IBAN und BIC lösen die nationalen Angaben für Bankverbindungen ab, in Deutschland also Kontonummer und Bankleitzahl. Für eine Übergangszeit von zwei Jahren, also bis Januar 2016, dürfen Banken in Deutschland ihre Privatkunden unterstützen, indem sie die Umwandlung für sie durchführen. Mit dieser Übergangszeit entfällt dann auch die Notwendigkeit, den BIC bei Inlandszahlungen anzugeben. Bei den bisherigen Euro-Überweisungen war das immer erforderlich. Nach der Übergangszeit, also nach dem 1. Februar 2016, soll der BIC dann auch für grenzüberschreitende Zahlungen entfallen – ab dann reicht die IBAN.

Ich habe Einzugsermächtigungen für Ratenzahlungen erteilt, was muss ich diesbezüglich beachten?

Wenn Sie Einzugsermächtigungen erteilt haben, zum Beispiel für Versicherungsbeiträge oder Abonnements, müssen Sie in den meisten Fällen nichts unternehmen. Die Firmen dürfen bereits erteilte Einzugsermächtigungen weiterhin nutzen. Ab dem 1. Februar müssen sie allerdings für neue Einzugsermächtigungen Lastschriftmandate einfordern. Darauf werden Sie als Kunde aber pflichtgemäß hingewiesen.

Wie sehen Zahlungsaufforderungen bei Rechnungen künftig aus?

Mit Ausnahme der Ablösung von Kontonummer und Bankleitzahl durch die IBAN ändert sich nicht viel für Endkunden, wenn es um Zahlungen per Überweisungen geht. Für den Fall, dass alternativ auch eine Einzugsermächtigung angeboten wird, sieht diese jedoch künftig anders aus: Hier kommt das SEPA-Lastschriftmandat ins Spiel. Dieses enthält die Gläubigerkennung der Firma und eine eindeutige Kennung des Mandats (Mandatsreferenz) und ist mit Angabe des Datums zu unterschreiben.

Muss ich meinem Arbeitgeber meine Bankverbindung als IBAN mitteilen?

Die meisten Bankverbindungen lassen sich automatisiert umwandeln, sodass Unternehmen und Banken ihre Stammdaten selbst anpassen können. In den äußerst seltenen Fällen, in denen das nicht funktioniert, werden die Unternehmen auf Ihre Kunden zugehen und sie beim Wechsel unterstützen. Für Ausnahmen hat die Bundesbank die Institute aufgefordert, ihre Ausnahmeregeln mitzuteilen, sodass auch in solchen Fällen der Endkunde entlastet wird. Diese Ausnahmen werden bereits zusammen mit den Bankleitzahlen veröffentlicht.

In welchen Ländern gilt SEPA?

EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Zypern.

EWR-Staaten: Island, Liechtenstein, Norwegen.

Weitere Staaten / Gebiete: Schweiz, Monaco, Mayotte, Saint-Pierre und Miquelon.

Werde ich weiterhin mit meiner EC-Karte bezahlen können?

Ja, die Handhabung von EC-Karten für das Elektronische Lastschriftverfahren (ELV) bleibt für Endkunden bis zum 1. Februar 2016 wie gewohnt.

Privatkunden gewöhnen sich sicher schnell an die Umstellungen, auch wenn die IBAN etwas umständlicher aussieht. Außerdem läuft heutzutage viel Zahlungsverkehr im Internet per Kreditkarte oder Paypal. Hier wird der Verbraucher sowieso keinen Unterschied merken. Und die zahlreichen Anpassungen, die im Hintergrund bei Banken und Finanzdienstleistern laufen [hier nochmal Link auf Artikel Teil 1], bleiben Außenstehenden ohnehin verborgen.

Stiftungen und Vereine: Jede Organisation ist betroffen

Sammeln Sie für Ihren Verein häufig Beiträge ein? Sind Sie regelmäßig am Bankschalter, um Lastschrifteinzüge in Auftrag zu geben? Dafür benötigen Sie nach der SEPA-Umstellung eine Gläubigeridentifikation (UCI), eine europaweit eindeutige Kennung, die sich bei der Bundesbank über ein elektronisches Antragsverfahren anfordern lässt.

Ziehen Sie Mitgliedsbeiträge oder Spenden regelmäßig per Lastschrift ein?

Dann denken Sie daran, dass Sie auch für Dauerlastschriften das sogenannte SEPA-Lastschriftmandat ihrer Mitglieder benötigen. Es enthält die entsprechende Weisung an das einlösende Kreditinstitut, die Belastungen vorzunehmen.

Sicherlich möchten Sie ihren Mitgliedern ersparen, ihre Bankverbindungen erneut im neuen Format mitzuteilen. Sie dürfen die bereits erteilten Einzugsermächtigungen weiterhin nutzen und können die Bankverbindungen ihrer Mitglieder konvertieren. Die Deutsche Kreditwirtschaft beispielsweise liefert Hinweise zu Lösungen. Es ist dabei unbedingt zu beachten, dass es Ausnahmen für die Umwandlung von Kontonummern und Bankleitzahlen in gültige IBANs gibt. Es reicht nicht, die Berechnungsformel des IBAN-Standards anzuwenden. Wie bereits oben erwähnt, sammelt die Bundesbank solche Ausnahmen zentral und sorgt für ihre Bekanntgabe.

Nutzen Sie eine Standardsoftware für Zahlungsaufträge?

Dann lassen sie sich von dem Anbieter und von Ihrer Bank erläutern, was bei der Umstellung zu beachten ist und in welchem Umfang ihre Software SEPA beherrscht.

Next Actions und viele offene Fragen

Wir sind sehr gespannt, was sich in den nächsten Monaten und Jahren rund um SEPA tun wird und haben weiterhin viele Fragen: Wem überlassen die Bankenverbände und entscheidende Teilnehmer den Entwurf der Formate und Prozesse? Werden die Entwürfe beauftragt oder geben die Verbände das Thema ihren Mitgliedern mit, also den Banken selbst, und warten auf ihre Vorschläge? Welche Rolle spielt die Lobby?Warum wird das Ganze überhaupt gemacht? Wer profitiert davon wirklich? Wie wird das Thema im Ausland behandelt? Welche Gremien beschäftigen sich noch mit dem Thema? Wie werden IT-Experten bei der Gestaltung der Standards einbezogen? Welche Chancen ergeben sich für den Handel, wenn das europäische Ausland zahlungstechnisch erreichbarer wird?

Im Tagesgeschäft kommt es mir oft so vor, als seien die Finanzdienstleister an einem einheitlichen Euro-Zahlungsstandard gar nicht so sehr interessiert. Seit Schaffung der Grundlagen und Gründung des EPC sind über zehn Jahre schleppender Einführung verstrichen. Und weil die Banken mit der Umsetzung nicht schnell genug sind, zumindest aus Sicht der europäischen Gremien, kann nur noch das Gesetz helfen.

Wir rechnen also damit, dass viel Altes und Gewohntes noch eine ganze Weile durch die Systeme geistern wird. Die bestehenden Architekturen sind sehr beständig, ebenso die Standardlösungen für die Branche. Eine mittelfristige Kosten-/Nutzenrechnung führt in den Projektplanungen eher selten zur Strategie der vollständigen Umstellung. Wenn nicht evolutionär, dann revolutionär. Aber wann? Dieses Thema beschäftigt uns sowieso, nicht nur im Banken-Kontext. Blicken Sie zusammen mit uns aufs große Ganze, vor allem auf unsere Idee von einer „New School of IT“ und teilen Sie uns Ihre Meinung mit. Wir sind neugierig und gespannt auf Ihre Anregungen.

Hans von Mühlen Hans von Mühlen ist Senior Consultant bei adesso. Er beschäftigt sich mit den Themen Banking, Requirements Engineering, Testing und Agile.
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Kommentare

René Jacobi 11. Juli 2013 Website des Autors

Sehr schöner Artikel.

Natürlich sind die Zahlungsdienstleister nicht wirklich begeistert von der SEPA Einführung. Aber nun müssen sie. Was zu hoffen bleibt ist, dass die Unternehmen nun endlich mal aufwachen.

Sollte die Bundesbank rechtbehalten, dann haben wir am Anfang nächsten Jahres viele KMUs die auf die aufwändige Rechnung anstelle von Lastschrift zurück greifen müssen.

Keine wirklich schöne Vorstellung.

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