DevOps – Zeit für Pragmatiker

9. Oktober 2014Sören Blom

„Enterprise DevOps Adoption Isn’t Mandatory — But Neither Is Survival“

Mit diesen drastischen Worten beschreibt Gene Kim, ein Vordenker der DevOps-Bewegung und Co-Autor des Buchs „The Phoenix Project“, seine Position in einem Blog des Wall Street Journals.

Wie auch immer man zu der Zuspitzung in diesem Zitat steht, es verweist auf eine relevante Entwicklung: DevOps, die Sammlung von Praktiken und Techniken basierend auf Prinzipien der „Lean Production“, hat sich erfolgreich in jungen und nicht mehr ganz so jungen Internet-Firmen etabliert. Diese betreiben damit Anwendungen in zuvor nicht dagewesenen Ausmaßen und sind gleichzeitig in der Lage, schnell neue Features in die jeweiligen Dienste einzubauen. Davon lassen sich auch andere Unternehmen inspirieren; In manchen Branchen sehen sich die bisherigen Platzhirsche möglicherweise bedroht von der Geschwindigkeit, in der sich neue Konkurrenten Marktanteile einverleiben.

DevOps zielt vor allem darauf ab, dass Entwicklung und Betrieb von vornherein zusammenarbeiten müssen, um so häufige Releases bei gleichbleibend hoher Qualität zu ermöglichen. Das hilft der Fachseite, schneller auf Änderungen am Markt und sonstige Entwicklungen zu reagieren, was das Unternehmen insgesamt in eine bessere Position bringt. DevOps nutzt agile Softwareentwicklung und bindet diese mit Continuous Delivery/Deployment an den Betrieb an. Ebenso gehören Infrastructure as Code (Die Idee, Systeme durch textuelle Konfigurations- und Programmiersprachen zu beschreiben) und ein hohes Maß an IT-Automation zu den in diesem Zusammenhang verwendeten Praktiken. DevOps ist aber nicht bloß die Verwendung von neuen Technologien, sondern umfasst was sich hinter dem Akronym „CALMS“ verbirgt:

  • C: Culture
  • A: Automation
  • L: Lean
  • M: Measurement
  • S: Sharing

Damit haben wir, wie so oft in der IT, einen neuen Ansatz, der viele Vorteile verspricht, aber neue Technologien und ein großes Umdenken in Unternehmen erfordert. Das von Gene Kim im obigen Zitat implizierte „Friss oder stirb!“ mag vielleicht eine gefühlte Dringlichkeit transportieren, bietet aber keine Hilfestellung an, Einstiegspunkte in DevOps für existierende IT-Organisationen zu finden.

„If you don’t get the pragmatists in that organisation to start adopting [DevOps], we lag behind.“ (Justin Arbuckle)

In diesem Zusammenhang ist ein Vortrag von Justin Arbuckle erwähnenswert, den er als Keynote auf der diesjährigen O’Reily-Velocity-Konferenz in New York gehalten hat. Darin argumentiert er entlang der Diffusionstheorie von Rogers, dass es zu einer erfolgreichen Adaption von DevOps zwingend erforderlich ist, die Pragmatists bzw. Early Majority dabei zu unterstützen, die Neuerungen für die eigene Organisation annehmbar zu machen. Diese Gruppe ist definitionsgemäß dem Neuen gegenüber aufgeschlossen, aber nicht darauf aus, Neues um seiner selbst willen oder dem daraus resultierenden Statusgewinn zu verwenden – echte Pragmatiker eben. Diese Gruppe findet in einem Unternehmen möglicherweise bereits einzelne Inseln von „Innovators“ und „Early Adopters“ vor, die diese Themen verwenden, aber erst durch die Pragmatiker erfährt ein Thema die notwendige Rückendeckung und Sichtbarkeit, um sich erfolgreich durchzusetzen.

Ich teile diese Sichtweise und finde, man sollte Unternehmen dabei unterstützen, DevOps-Praktiken einzuführen und dabei auf die Gegebenheiten bestehender IT-Organisationen eingehen. An dieser Stelle möchte ich zwei Beispiele für adesso-Formate geben, die dazu geeignet sind, eine „Enterprise“-gerechte Beschäftigung mit DevOps zu fördern.

Interaction Room als Werkzeug für die DevOps-Einführung

Mit dem Interaction Room hat adesso in verschiedensten Ausprägungen sehr positive Erfahrungen gemacht, verschiedene Stakeholder eines Unternehmens zusammenzubringen und zur gemeinsamen Zielentwicklung anzuregen. Diese erprobte Methodik eignet sich ideal dafür, das Thema DevOps, bei dem es ja schon dem Titel nach auf die Überbrückung verschiedener Bereiche ankommt, aufzuarbeiten und Maßnahmen für die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema zu identifizieren.

DevOps Bootcamp für Entwicklung und Betrieb

Die Vision von DevOps, Mauern zwischen Entwicklung und Betrieb niederzureißen, lässt sich in etablierten Organisationen nicht einfach so umsetzen. Trotzdem kann man von DevOps-Praktiken auf der einen oder anderen Seite der Mauer profitieren und damit die Grundlage für eine bessere Zusammenarbeit schaffen. In unserem „DevOps Bootcamp“ arbeiten wir mit Entwicklungs- oder Betriebsteams zusammen, um Konzepte wie „Infrastructure as Code“ und Technologien wie „Vagrant“ oder „Docker“ sowie IT-Automatisierung einzuführen. Dabei ermitteln wir vorab den konkreten Bedarf (z.B. in einem Interaction Room für DevOps), vermitteln die notwendigen Kenntnisse in Workshops und Schulungen und begleiten dann die Teams dabei, die neuen Fertigkeiten im Projektalltag sinnvoll einsetzen zu können.

Welche Hürden sehen Sie in Ihrer Organisation bei der Einführung von DevOps und verwandten Themen?

Sören Blom Sören Blom ist Leiter des Competence Center IT-Automatisierung. Dort berät und unterstützt er Kunden zu DevOps, Continuous Delivery und Konfigurationsmanagement. Darüber hinaus interessiert er sich für agile Softwareentwicklung, Lean IT und Infrastructure as Code.
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