Cloud – auf dem Wege zur Industrialisierung?

13. Dezember 2012Eberhard Wolff

Mit gerade einmal 3 Technikern entwickelte der Internet-Foto-Dienst Instagram seine Plattform. Kurz nach dem Start betrieb dieses kleine Team bereits 10 Millionen Kunden und 100 Millionen Fotos. Es war ein durchschlagender Erfolg: Später wurde die Firma von Facebook für 1 Mrd. $ in Aktien gekauft. Wie ist eine solche enorme Produktivität möglich?

Instagram hat sein System auf der Amazon Cloud aufgebaut. Neben Servern, auf denen die Software von Instagram läuft, hat Instagram auch einige andere Dienste von Amazon genutzt. Beispielsweise S3: Mit dem Simple Storage Service können Dateien – wie beispielsweise Fotos – gespeichert werden. Und zwar mit hoher Zuverlässigkeit. Wenn es Performance-Probleme gibt, können die Fotos sogar in einem Content Delivery Network (CDN) gespeichert werden. Das legt die Bilder dann auf mehreren Servern in der Internet-Infrastruktur so ab, dass sie für die verschiedenen Nutzer möglichst schnell erreichbar sind.

Die Kern-Herausforderung von Instagram ist durch diese Infrastruktur gelöst: Fotos können weltweit betrachtet werden, stehen mit der notwendigen Zuverlässigkeit zur Verfügung und auch die notwendigen Performance-Optimierungen sind bereits enthalten. So ist die Implementierung der Lösung sehr einfach, da die meisten Probleme durch die Infastruktur gelöst sind. Und dann spart sich Instagram auch noch eigene Rechenzentren. Und wenn die Nutzerzahlen steigen, skalieren die Dienste einfach mit.

Eigentlich wird Amazon nur als Infrastrukur-Anbieter wahrgenommen und sollte nur Server und Storage anbieten. Ein Blick auf die Web-Site der Amazon Web Services zeigt aber, dass Amazon viel mehr als das zu bieten hat. So gibt es schlüsselfertige Datenbanken, Map/Reduce-Systeme, Such-Server und viele mehr. Besonders spannend ist der Mechanical Turk – schauen Sie mal auf http://aws.amazon.com/mturk.

Cloud ändert also einiges: Die Fertigungstiefe der Projekte nimmt ab. Sie stützen sich auf Dienste aus der Cloud ab, die wesentliche Bestandteile schlüsselfertig anbieten. Diese Bestandteile an sich sind oft nicht neu: Datenbanken, Such-Server usw. gibt es schon lange. Die Angebote in der Cloud implementieren meistens sogar dieselben APIs wie klassische Systeme auch. Neu ist, dass die Dienste sehr einfach gebucht werden können und dann sofort zur Verfügung stehen. Es ist keine manuelle Installation eines Servers notwendig. Außerdem sind die Dienste meistens skalierbar – ob ein Foto auf S3 von einem, zehn, hundert oder hunderttausend Benutzern angefragt wird, ändert die Antwortzeiten nicht.

Dieser Ansatz erinnert ein wenig an die Industrialisierung und Arbeitsteilung: Statt jede einzelne Komponente selber zu erstellen und zu installieren, können Projekte einfach Komponenten buchen und basierend darauf Systeme implementieren. Aspekte wie Skalierbarkeit werden durch die Komponenten abgedeckt und auch viele Betriebsaspekte sind bereits gelöst. So werden die Entwickler-Teams von vielen Belangen entlastet.

Für Rechenzentren und den klassischen Betrieb sind solche Mechanismen ebenfalls umsetzbar: Der Aufbau von Datenbanken und Application Servern kann automatisiert werden. Die Server können dann über ein Portal gebucht werden – oder es gibt entsprechende Skripte für den automatisierten Aufbau. Für Entwicklungs-Teams ist das natürlich attraktiv, denn die Nutzung dieser Komponenten ist besonders einfach. So können Standards etabliert werden – und zwar nicht als Zwang, sondern weil diese Angebote für die Teams besonders einfach verfügbar sind.

adesso hat für Kunden solche Modelle bereits implementiert – sowohl mit Portalen als auch mit Automatisierungslösungen. Und wir nutzen sie auch intern.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Cloud-Diensten gesammelt oder Fragen dazu? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Eberhard Wolff Eberhard Wolff ist Architecture & Technology Manager bei adesso.
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Kommentare

Frank Lange 13. Dezember 2012 Website des Autors

Instagram zeigt, welch schnelles und nachhaltiges Wachstum durch die Fokussierung auf Kernkompetenzen möglich ist.

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