business.people.technology. im Internet der Dinge

Part III – Technology

10. November 2016Nhiem Lu, Dennis Peuser und Martin Peters

Dieser Beitrag ist der letzte Part der dreiteiligen Blog-Reihe „business.people.technology im Internet der Dinge“. Während der erste Teil die Auswirkungen und die Potentiale des Internet der Dinge (IoT) auf Geschäftsmodelle sowie Innovationen adressiert hat, wurde im zweiten Beitrag der Aspekt der Personen, die bei einer solchen Veränderung von Prozessen und Dienstleistungen einen wesentlichen Beitrag leisten, vorgestellt. In diesem Teil folgt die Betrachtung der Technologie, beziehungsweise der Vorgehensweise zur Entwicklung von IoT-Lösungen.

„Business“ und „People“ kommt vor der Technologie

Die Reihenfolge der Blog-Beiträge ist nicht zufällig gewählt. Sie stellt auch in der Praxis eine sinnvolle Vorgehensweise zur Entwicklung von IoT-Lösungen dar. So technisch das Internet of Things letztendlich auch sein mag, die damit umgesetzten Anwendungen lassen sich zunächst einmal völlig technologieunabhängig als Konzept entwickeln und diskutieren. Genau das sollte auch die Grundlage für jedes IoT-Projekt sein. Trotz des großen Hypes um dieses Thema, eine IoT-Lösung darf nicht dem Selbstzweck dienen.

Tech2Die tatsächliche Herausforderung für viele Unternehmen ist somit zunächst einmal nicht die technische Umsetzung einer IoT-Lösung, sondern vielmehr die Identifizierung und Konzeption von tragfähigen Geschäftsmodellen sowie das gegebenenfalls auch radikale Umdenken bei der Gestaltung von Prozessen und Kundeninteraktion (Business). Dieser Prozess erfordert viel Freiraum für Kreativität und die Bereitschaft für Veränderung, die von allen beteiligten Personen getragen werden muss (People). Die zentralen Fragen, die in diesem Kontext zum Beispiel für die nächsten fünf bis zehn  Jahre diskutiert werden sollten, sind:

  • Welches Ziel verfolgt der Kunde mit der Nutzung meines Angebots?
  • Wie kann sich das Angebot ändern, um dem Kunden den tatsächlichen Zweck einfacher zugänglich zu machen?
  • Welche zusätzlichen Dienstleistungen können einen Mehrwert für meine Kunden bieten?
  • In welcher Beziehung möchte ich zu meinen Kunden stehen?
  • Welche Interaktionen mit Kunden und Partnern könnten zukünftig stattfinden?

Die Beantwortung dieser und daran angelehnten Fragen führt zu einer Vision, die als Grundlage zur Entwicklung von konkreten Handlungsempfehlungen dient. Erst nachdem über diesen Weg das Ziel definiert ist, kommt die tatsächliche Technologie ins Spiel.

Rapid Prototyping: Agilität bei der Entwicklung neuer Dienstleistungen

Eine Vision für eine neue Dienstleistung oder eine Idee zur Anpassung bestehender Prozesse ist noch keine Garantie, dass sich das neue Konzept auch trägt und so funktioniert, wie man es erwartet. Häufig ist eine stetige Verfeinerung des Konzepts und ein nachjustieren erforderlich. In einigen Fällen kann es sogar dazu kommen, dass sich Konzepte als gänzlich impraktikabel oder nicht wirtschaftlich erweisen und verworfen werden müssen.

Um diesen Prozess der Entwicklung tragfähiger Tech3Konzepte ideal zu unterstützen, bietet sich für die Umsetzung von IoT-Lösungen ein agiles Vorgehen an, das zum Beispiel auf Rapid Prototyping, also dem schnellen und prototypischen Aufbau eines ersten Technologiedurchstichs, basieren kann. Diese Vorgehensweise sollte folgende Ziele verfolgen:

  • Kurzfristige und schnelle Bereitstellung erster Lösungen
  • Frühzeitiges Feedback vom Kunden / vom Markt
  • Schnelle Reaktionen auf neue Erkenntnisse
  • Geringe Investitionshürde

Für das Rapid Prototyping einer IoT-Lösung mit den zuvor genannten Zielen gibt es inzwischen viele Möglichkeiten. Neben der Click-Dummy-Entwicklung, wie sie aus anderen Bereichen bekannt sind, gibt es insbesondere im IoT-Kontext viele weitere Ansätze. Diese erlauben es, mit tatsächlicher Hardware und bereits funktionierenden Softwarelösungen wie Dashboards und Apps zu arbeiten. Bei der Hardware existieren eine Vielzahl an Sensor-Knoten wie der batteriebetriebene Texas Instruments (TI) SensorTag, der unter anderem Sensoren für die Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Helligkeit, Temperatur und Beschleunigung bietet. Der Vorteil besteht darin, dass für die erste Umsetzung keine teure Hardwareentwicklung notwendig ist.

Der Sensor kommuniziert über Bluetooth und kann so einfach über eine Smartphone App angebunden werden, welche gleichzeitig die Daten samt GPS-Informationen in eine IoT-Cloud übermitteln kann. Über solche Systeme lassen sich ohne viel Aufwand Informationen erfassen, die gegebenenfalls bisher noch nicht erfasst werden konnten, aber für eine Anwendung erforderlich sind.

In IoT-Projekten spielt neben der Hardware und den so erfassten Sensorinformationen eine IoT-Cloud-Plattform eine wesentliche Rolle. Innerhalb der Cloud werden typischerweise die Daten entgegengenommen, gespeichert, gegebenenfalls analysiert und für Services und andere Anwendungen bereitgestellt. In einem einfachen Anwendungsfall kann das ein Dashboard sein, in dem die Daten visualisiert werden. Ein einfaches Dashboard zu dem TI SensorTag mit aktuellen Werten und einer Streckenverfolgung kann zum Beispiel so aussehen, wie in der folgenden Grafik beschrieben.

Tech4Bei vielen IoT-Cloud-Lösungen kann ebenfalls auf eine bereits vorhandene Standardfunktionalität zurückgegriffen werden, die eine effiziente Entwicklung erster Prototypen erlaubt. Eine dieser Plattformen ist die com2m-IoT-Cloud, mit der individuelle Anwendungen effizient entwickelt werden können. Individuell meint in diesem Fall, dass die Anwendung zum Beispiel bereits im eigenen Corporate Layout aufgebaut ist und genau die Daten und Prozesse visualisiert, die für den Anwendungsfall notwendig sind. Auf diese Weise bietet die Anwendung die Möglichkeit, sie beispielsweise gemeinsam mit Kunden über einen bestimmten Zeitraum zu testen. Auf diese Weise können in der Praxis Erfahrungen gesammelt werden und das Feedback kann direkt in die Entwicklung der Lösung einfließen.

Fazit

Am Anfang von IoT-Lösungen sollte zunächst eine Vision der Anwendung stehen, die die tatsächliche Technologie abstrahiert. Auch aus diesen Gründen raten wir davon ab, bereits vor dem Ansatz einen funktionalen Vergleich von IoT-Lösungen durchzuführen, um eine Auswahl zu treffen. Vielmehr sollten nichtfunktionale Kriterien die Auswahl beeinflussen. Aspekte wie die Flexibilität bei der Entwicklung, die Eignung für den Aufbau von Prototypen bis hin zu produktiven Anwendungen, aber auch den durch den Anbieter gebotenen Service (zum Beispiel komplette IoT-Anwendungsentwicklung oder ausschließlich die Bereitstellung von Schnittstellen) müssen berücksichtigen werden. Diese Vorgehensweise stellt sicher, dass die Umsetzung und der Betrieb einer Anwendung auch zu dem ursprünglichen Ziel passen. Ausgehend von einer ersten Idee steht dem Prototyp und einer stetigen Weiterentwicklung eines IoT-Szenarios inklusive der Verknüpfung mit weiteren IT-Systemen und Daten nichts mehr im Wege.

Wir freuen uns auf eure Kommentare und beantworten eure Fragen gern.

Nhiem Lu, Dennis Peuser und Martin Peters Nhiem Lu, Dennis Peuser und Martin Peters Dr. Nhiem Lu arbeitet als Managing Consultant im Bereich Digitale Transformation und Internet der Dinge bei der adesso AG in Dortmund. Er beschäftigt sich seit über acht Jahren mit der Digitalisierung von Unternehmen in Deutschland und Australien. Dennis Peuser arbeitet als Analyst bei der adesso AG in Dortmund. Die Abschlussarbeit seines Studiums schrieb er in Kooperation mit der adesso AG. Dr. Martin Peters ist Geschäftsführer der com2m GmbH, die sich unter anderem mit einer eigenen IoT-Plattform auf das Angebot von Softwarelösungen in diesem Bereich spezialisiert hat.
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