Ausblick 2013: Was uns in diesem Jahr beschäftigen wird und wie drei Trends die Software-Welt verändern

10. Januar 2013Dr. Rüdiger Striemer

Der Jahreswechsel eignet sich ja in vielerlei Hinsicht, um einen Blick nach vorne zu wagen und sich zu fragen: Was wird uns erwarten? Auf der anderen Seite ist kaum eine Branche so umtriebig und von so kurzlebigen Trends geprägt wie die IT und speziell die Software-Entwicklung. Kann man da überhaupt irgendetwas voraussagen? Man kann. Denn es gibt ein paar Trends, die sich zu stabilisieren scheinen und die in Summe genommen unsere kleine Welt der Software-Entwicklung verändern werden. Und den Fortschritt dieses Prozesses werden wir auch in diesem Jahr beobachten können.

Schon fast nicht mehr der Rede wert ist der Trend zur Mobilisierung. Alles wird mobil, nicht nur die Endgeräte, sondern auch die Geschäftsprozesse. Sie finden oft schon heute fallabschließend da statt, wo eine Leistung benötigt wird und nicht mehr da, wo sie früher einmal hergestellt wurde. Ort und Zeit wird für die Verfügbarkeit von Geschäftsprozessen immer weniger eine Rolle spielen. Bei adesso fassen wir das unter dem Schlagwort „Ihr Business. Immer. Überall.“ zusammen und meinen das wörtlich.

Der zweite große Trend ist der zu mehr Agilität. Ein alter Hut? Schließlich ist das agile Manifest über zehn Jahre alt. Richtig; und es liegen mittlerweile viele Erfahrungen vor. Vor allem in der Produktentwicklung oder bei Eigenleistern (also Unternehmen, die Software für den eigenen Gebrauch entwickeln) ist Agilität heute state-of-the-art. Da, wo Software als Gewerk, also mit klarer Gewährleistungsregelung und zu kalkulierbaren Kosten, von einem Dienstleister für einen Anwender entwickelt wird, versagt die ganze schöne agile Vorgehensweise. Das wird sich ändern. Wir werden erleben, wie Software-Hersteller und Kunde sich in Schicksalsgemeinschaften begeben und das Risiko teilen. Kluge Geschäftsmodelle befördern den Gleichklang der Interessen, so entstehen Kompetenzgemeinschaften aus fachlicher und technischer Expertise mit der Möglichkeit, Software nicht nur agil, sondern wirklich wertorientiert zu realisieren. Das Ergebnis ist eine Reduktion der Komplexität und damit der Kosten. Und das freut beide, Anwender und Dienstleister. Man wird sich sehr bald die Frage stellen, warum Anwender überhaupt Individualsoftware „am Stück“ kaufen sollen. Denn eigentlich will man ja keine Software kaufen oder betreiben, sondern einen Prozess optimal unterstützt wissen. Warum also nicht transaktionsbezogen bezahlen? Auch das werden wir sehr bald erleben.

Überhaupt: die künstliche Trennung in Entwicklung und Betrieb. Wir werden erleben, wie sie sich auflöst. In Zeiten hochkomplizierter und –spezialisierter Hardware machte es noch Sinn, die technischen Kompetenzen des Betriebs zu bündeln und gegenüber der Anwendungsentwicklung abzugrenzen. Heute reden wir in den meisten Fällen über standardisierte, massenhaft und kostengünstig verfügbare, und mit den Technologien der Cloud auch noch automatisierbare Infrastrukturen. Das hilft, den Fokus dahin zu verschieben, wo das Geld verdient wird: zu den operativen Prozessen und den sie unterstützenden Anwendungen. Und die müssen bereitgestellt und betrieben werden. In einer Hand und in vollumfänglicher Verantwortung.

Einen dritten Trend nennen wir Elastizität. Darunter verstehen wir zum Beispiel, die Technologieauswahl anpassungsfähig und anwendungsbezogen, also elastisch zum Einsatzzweck zu betreiben. Relationale Datenbanken sind eine prima Sache, aber nicht wenn man Millionen von Informationen durchsuchen und aufbereiten muss. Big Data und NoSQL sind hier die undogmatische Antwort. Das passt nicht so schön in das Ideal des unternehmensweiten Datenmodells zusammen, löst aber eine Reihe von Problemen schlagartig und dauerhaft. Elastizität bedeutet aber auch, Komplexität zu managen; funktionierende Lösungen zuzulassen und lose zu integrieren, statt den ganz großen Wurf zu konzipieren, für viel Geld zu entwickeln und letztlich genauso teuer zu warten. Im Software-Bereich ist dieser Trend schon heute in Apps und in der Hardware-Welt im „bring your own device“-Prinzip auf dem Vormarsch. Wir werden erleben, wie dieser Trend zu mehr Flexibilität und letztlich geringeren Kosten führt.

Ein spannendes Jahr liegt vor uns. Wir bei adesso haben die aktuellen Trends und Entwicklungen zur „New School of IT“ zusammengefasst und wollen damit nicht nur den Wandel begleiten, sondern aktiv gestalten. Und wir freuen uns, wenn Sie uns dabei zusehen.

Dr. Rüdiger Striemer Dr. Rüdiger Striemer ist Co-Vorstandsvorsitzender bei adesso und verantwortet die Unternehmensbereiche Software Development und Corporate Communications.
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