Auf dem Weg zur idealen mobilen Anwendung: Strategie und Vorüberlegungen

6. Dezember 2012Raphael Schulna

Die Entscheidung mobile Services zu entwickeln, sollte keinem ‚spontanen’ Impuls folgen, sondern eine bewusste Entscheidung für die Nutzung des mobilen Kanals sein. Demzufolge sind der Entwicklung idealerweise eine Reihe von Überlegungen vorangestellt.

Zu Beginn werden zunächst die Zielgruppen und die Ziele definiert. Neukunden und/oder Bestandskunden sind ebenso mögliche Zielgruppen, wie die eigenen Mitarbeiter, beispielsweise im Vertrieb oder Businesspartner in B2B-Umfeld.

Ausgehend von der Zielgruppe verfolgen Unternehmen mit mobilen Services immer bestimmte Ziele. Diese Zieldefinition ermöglicht die Ausrichtung der mobilen Dienste auf die Zielgruppe(n). Eine Applikation als zusätzliche Marketingmaßnahme zur Steigerung der Markenbekanntheit und Verbesserung des Images verfolgt andere Ziele als eine Applikation zur Vertriebsunterstützung und Optimierung interner Geschäftsprozesse.

Zentrale Fragen in diesem frühen Status sind: „Welche Mehrwerte sollen den zukünftigen Nutzern durch die mobilen Services geboten werden können?“ und  „Können diese Mehrwerte dazu führen, die angestrebten Ziele zu erreichen?“.

Ein Beispiel: ‚Umsatzsteigerung durch mehr Kundenbesuche pro Vertriebsmitarbeiter pro Tag’ ist ein Ziel für die Optimierung des eigenen Vertriebs. Damit der Vertrieb mehr Zeit für Kundenbesuche hat, soll mittels mobiler Applikation der Prozess der Besuchsvor- und -nachbereitung verbessert werden. Ziele und Zielgruppen sind so definiert. Eine mobile Applikation, mit der ein Vertriebsmitarbeiter immer und überall Zugriff auf die Kundendaten und die relevanten Vertriebsdokumente hat und in der er seine Besuchsberichte elektronisch erfasst bzw. übermittelt, würde einen entscheidenden Mehrwert bieten. Synchronisiert sich die Applikation möglicherweise noch mit dem Backoffice, so dass er unterwegs noch zusätzliche Termine auf seiner aktuellen Route entgegennehmen kann, so ist die Erreichung der definierten Ziele sehr wahrscheinlich.

Entschließt sich ein Unternehmen zur Umsetzung eines mobilen Projektes, gilt es ein Konzept zu entwickeln. Das Konzept stellt die Grundlage für die folgende Feinspezifikation dar und ist somit von großer Bedeutung. Innerhalb des Konzeptes werden die Ziel- und Zielgruppendefinition, sowie die Darstellung der Mehrwerte beschrieben. Es dient der internen Abstimmung über Inhalte und Funktionen des mobilen Services und sollte idealerweise alle relevanten Projektbeteiligten im Unternehmen (Fachabteilungen, IT, Datenschutz, ggfs. Betriebsrat, etc.) konstruktiv einbeziehen.

Oftmals entstehen diese Konzepte ohne die Beteiligung der definierten Zielgruppe(n). Da eine breite Akzeptanz für den Erfolg der mobilen Services entscheidend ist, können Vertreter der späteren Nutzergruppe bereits in der Konzeptphase wichtigen Input liefern. Bezogen auf das oben skizzierte Beispiel beschreiben die Vertriebsmitarbeiter, welche Kundeninformationen und Dokumente benötigt werden und bei welchen Tätigkeiten eine mobile Unterstützung im Tagesgeschäft tatsächlich Sinn macht.

Nach der Konzepterstellung erfolgt die Feinspezifikation des mobilen Service, in der dieser detailliert beschrieben wird. Es wird unter anderem bestimmt, ob eine browserbasierte Anwendung oder eine plattformspezifische Applikation (App) entwickelt werden soll. Inhalte und Funktionen sind innerhalb des Feinkonzeptes genauso beschrieben, wie das Navigationskonzept und das geplante Design.

Sofern relevant, sollte die Konzeption der Datenübertragung, der Datenhaltung und -sicherheit einen Schwerpunkt in der Feinspezifikation bilden. In der Regel werden die Daten nicht statisch hinterlegt, sondern dynamisch an das mobile Endgerät übertragen. Hier muss definiert werden, wie die Daten aus den Systemen zu den Endgeräten gelangen und ob es sich um Informationen handelt, die durch Verschlüsselung vor unbefugtem Zugriff geschützt werden müssen.

Da bei der mobilen Nutzung nicht von einer permanenten Netzwerkverbindung ausgegangen werden kann, muss eine fehlende oder eingeschränkte Konnektivität des Endgerätes immer bedacht werden. Unternehmen können sich auch schon in der Feinkonzeptphase von kompetenten Dienstleistern unterstützen lassen.

Die Entwicklung und der Betrieb mobiler Lösungen sind mit initialen und laufenden Kosten verbunden. Auf Basis der Feinspezifikation kann die Unternehmens-IT eine Aufwandskalkulation vornehmen. Werden Angebote externer Dienstleister eingeholt, beschreibt die Feinspezifikation (bzw. das „Lastenheft“) die genauen Anforderungen und stellt eine anschließende Vergleichbarkeit der Angebote sicher.

Um Projektrisiken zu vermeiden kann es von Vorteil sein, nicht direkt die ‚große Lösung’ zu entwickeln, sondern zunächst mit ausgewählten Kernfunktionen zu starten und mit der Nutzung des mobilen Services Erfahrungen zu sammeln. Auch im Projektverlauf auftretende Probleme haben dann geringere Auswirkungen auf Budget- und Zeitplanung.

Die initialen und laufenden Kosten eines mobilen Services sind individuell sehr unterschiedlich und lassen sich nur projektspezifisch, idealerweise mittels Feinspezifikation, belastbar beziffern.

Je nach Projekt müssen unter anderem Kosten kalkuliert werden für:

  • Konzeption und Design
  • Entwicklung / Anpassung des mobilen Services
  • Entwicklung / Anpassung eigener Systeme
  • Projektleitung und Testing
  • Lizenzen
  • Hardware und Hardwaremanagement
  • Hosting, Betrieb und Support

Aufgrund der fortschreitenden Entwicklung der Betriebssysteme und Endgeräte unterliegen mobile Services wie andere Softwareprodukte bestimmten Releasezyklen. Aufwand für die Weiterentwicklung und Softwarepflege sollte somit ebenfalls in die Kostenkalkulation einbezogen werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass je nach Projektgröße durch die Erstellung eines schlüssigen Konzeptes und einer detaillierten Feinspezifikation die Erfolgsaussichten eines mobilen Projektes deutlich gesteigert werden können. Werden konzeptioneller und technischer Sachverstand von ‚Mobile-Experten’ einbezogen, können mögliche Projektrisiken frühzeitig erkannt und vermieden werden.

Checkliste:

  • Ist ‚Mobile Know how’ im Unternehmen vorhanden oder muss ich externe Partner hinzuziehen?
  • Welche Ziele werden verfolgt?
  • Welche Zielgruppe(n) spreche ich an?
  • Welche Mehrwerte hat/haben meine Zielgruppe(n) durch den mobilen Service?
  • Sind diese Mehrwerte geeignet, meine Ziele zu erreichen?
  • Welche Personen/Abteilungen/Unternehmen müssen in das Projekt einbezogen werden?
  • Gibt es ein schlüssiges Konzept?
  • Welche Inhalte und Funktionen muss mein mobiler Service bieten, damit er die angestrebten Mehrwerte bietet?
  • Müssen vorhandene Prozesse für die mobilen Services angepasst werden?
  • Wie gelangen welche Daten zum mobilen Endgerät und müssen diese vor unbefugtem Zugriff geschützt werden?
  • Gibt es ein detailliertes Feinkonzept?
  • Wie gestalten sich Hosting, Betrieb, Support und Weiterentwicklung der mobilen Services?
  • Wurden neben den initialen auch die laufenden Kosten (intern und extern) kalkuliert?
Tags:
Raphael Schulna Raphael Schulna ist Leiter Consulting bei der adesso Tochtergesellschaft adesso mobile solutions.
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Kommentare

Klara 5. Dezember 2013 Website des Autors

„Ein sehr interessanter Artikel, der auch dem Laien einmal verdeutlicht welche Überlegungen bei einer solchen Entwicklung vorangehen. Als Endverbraucher macht man sich ja, zugegebenermaßen, recht wenig Gedanken darüber welche Überlegungen und Vorarbeit in beispielsweise mobilen Anwendungen stecken. Ihr Beitrag macht bewusst das hier sehr viel mehr dahinter steckt als der Nutzer überhaupt annimmt und vermutet. Daher hoffe ich das viele Internetuser auf diesen Artikel aufmerksam werden, damit sich die Sichtweise hierauf auch beim Nutzer positiv verändert.

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