Auf dem Weg zum Softwarearchitekten

26. September 2013Dr. Sebastian Kempken

Viele Mitarbeiter bei adesso beginnen ihre Karriere als (Senior) Software Engineer und sind zunächst als Entwickler tätig. Mit der Erfahrung steigt auch die Verantwortung, die den betreffenden Kollegen übertragen wird. Sieht man seinen persönlichen Schwerpunkt eher auf der Seite des technischen Experten und nicht in der Rolle des Projektleiters, steht irgendwann der Schritt an, sich im Rahmen einer Fachlaufbahn zum Softwarearchitekten weiterzuqualifizieren. Architekten sind bei adesso für die technischen Aspekte von Projekten verantwortlich. Als Vorbereitung auf diese Laufbahn dient das adesso-Architektenprogramm.

Ziel dieser adesso-internen Ausbildung ist es, den Teilnehmern einen gemeinsamen Wissensstamm in Bezug auf die Entwicklung und Umsetzung von Softwarearchitekturen zu vermitteln.

Das Architektenprogramm wird seit 2012 durchgeführt. Die Hauptaufgabe unserer Architekten ist die Erarbeitung von robusten, auf die Anforderungen des Kunden abgestimmten Architekturen von hoher Qualität, die sich mit möglichst geringem Entwicklungsaufwand umsetzen lassen. Durch intensive Trainings sowie den Einbezug erfahrener Kolleginnen und Kollegen in Punkto Wissensvermittlung und Know-how-Austausch während des Programms möchten wir sicherstellen, dass die angehenden Architekten für ihre zukünftige Tätigkeit gerüstet sind.

Potenzielle Teilnehmer am Architektenprogramm sind Senior Softwareentwickler, die von ihrer Führungskraft sowie von unserem zentralen Architektur-Board für die Ausbildung vorgeschlagen werden.

Während man als Software Engineer bereits mit zahlreichen Frameworks und Technologien zu tun hatte und auch schon eine Reihe von Best Practices für die Entwicklung beherrscht, verlangt die Architektentätigkeit auch Know-how im Bereich Projektmanagement, Build Management sowie dem Managen einer Softwarearchitektur: Man muss nicht nur in der Lage sein, ein tragfähiges Konzept für die technische Seite eines Projektes zu entwickeln, sondern auch die Umsetzung dieses Konzeptes fortwährend zu begleiten. Dazu gehört das regelmäßige Review der tatsächlich realisierten Code-Basis bezüglich vereinbarter Leitlinien, das Erkennen und Bewerten von Optimierungspotenzialen im Hinblick auf Kosten und Nutzen sowie das Erarbeiten und Umsetzen geeigneter Maßnahmen.

Das Ausbildungsprogramm gliedert sich in zwei Teile: Theorie und Praxis. Im Theorieteil lernen die Teilnehmer die Grundlagen von Softwarearchitektur und Best Practices kennen. Dazu definiert adesso die Rolle eines Architekten folgendermaßen:

  • In Projekten gleichen sie eher erfahrenen Handwerksmeistern als „Architekten“ im klassischen Sinne. Sie leben nicht in einem abgeschotteten Elfenbeinturm, sondern erstellen Codes aktiv mit.
  • Ihre Aufgabe ist es, stets einen Überblick über die technischen Aspekte des Projekts zu haben.
  • Sie müssen die notwendigen Entscheidungen treffen und umsetzen – nicht über die Entwickler hinweg, sondern in Rücksprache mit ihnen.

Bisherige Erfahrungen werden in Seminarform vertieft: Von den Nachwuchsarchitekten wird erwartet, Architekturaspekte in aktuellen Technologiethemen und Best Practices herauszuarbeiten und den weiteren Teilnehmern angemessen zu präsentieren.

Diese Termine sind eine gute Gelegenheit, auch mal einen Blick über den Tellerrand zu werfen und sich ein Bild von anderen Herangehensweisen an bekannte Probleme zu machen: Es ist zum Beispiel auch für alte Java-Hasen lehrreich, sich den Aufbau von Python-Webframeworks anzuschauen, um eigene Gewissheiten besser bewerten zu können. Nicht zuletzt sind die Präsentationen eine hervorragende Generalprobe für Vorträge vor Kunden oder auf Entwicklerkonferenzen.

Ein besonderes Merkmal des Programms ist das „Meisterstück“ im anschließenden Praxisteil. Analog zu einer Abschlussarbeit im Handwerk wird der Teilnehmer aufgefordert, ein Projekt in der Rolle des Architekten zu begleiten und die Architekturverantwortung zu übernehmen. Ein erfahrener Coach steht ihm dabei zur Seite, jedoch trifft der Nachwuchsarchitekt die Entscheidungen und ist auch für sie verantwortlich.

Die Arbeit am „Meisterstück“ wird die Teilnehmer jeweils etwa drei bis vier Monate begleiten. Hat man diese Hürde hinter sich gebracht, erwartet die Teilnehmer ein entsprechendes Zertifikat – und nicht zuletzt auch eine besondere Prämie.

Insgesamt stellt die Teilnahme am Architektenprogramm eine signifikante Investition für beide Seiten dar: Der Gesamtaufwand bemisst sich inklusive aller Schulungen und ohne die individuelle Vor- und Nachbereitung von Terminen auf etwa sechs Wochen Vollzeit. In dieser Zeit steht man für das kundenbezogene Tagesgeschäft nicht zur Verfügung.

Mit dem Architektenprogramm bietet adesso seinen Mitarbeitern die Möglichkeit, eine Fachlaufbahn gezielt zu verfolgen und die jeweiligen Kenntnisse zu vertiefen. Die Übernahme von mehr Projektverantwortung wird ergänzt durch die Möglichkeit zum Wissensaustausch nach innen und außen und auch durch Raum zum „akademischen Arbeiten“.

Als Teilnehmer dieser internen Ausbildung erhoffe ich mir durch den theoretischen und praktischen Teil zusätzliches Rüstzeug für das Tagesgeschäft. Auch wenn die Rolle des Architekten eine andere als die des Projektleiters ist, kann die Tätigkeit durch die hohe Verantwortung, die man dadurch übernimmt, sehr stressig sein. In solchen Situationen ist es gut, wenn man auf bewährte Vorgehensweisen und Grundlagen zurückgreifen kann.

Wir bei adesso glauben, mit dieser praxisbezogenen Schulungsreihe junge Architekten gut auf ihre Rolle in zukünftigen Projekten vorzubereiten und ihnen eine tragfähige Grundlage zu vermitteln. Kennen Sie ähnliche Ansätze oder haben Sie Fragen zu unserem Programm? Teilen Sie uns Ihre Meinung gern mit.

Dr. Sebastian Kempken Dr. Sebastian Kempken ist Senior Software Engineer bei adesso und Teilnehmer des Architektenprogramms 2013. Seine Leidenschaften in der Softwareentwicklung liegen im Build Management und in der Systemintegration.
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